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Freitag, 25. Mai 2012 | 15:14

Paul Jenkins / Paolo Rivera: Mythos

12.11.2009

Bis repetita non placent!

„Wiederholungen gefallen nicht!“, sagt Julius Caesar in Asterix und der Arvernerschild. Man wünschte sich, Marvel und Paul Jenkins hätten das auch gewusst, bevor sie mit ihrer Reihe Mythos begannen. Von MATTHIAS ROß

 

Mythos ist eine Sammlung von Origin-Stories der bekanntesten Superhelden des Marvel-Universums: von Spider-Man, Hulk, Ghostrider, Captain America bis hin zu den Fantastischen Vier und den X-Men. Die historischen Figuren stammen größtenteils aus der Feder der Comiclegenden Stan Lee und Jack Kirby und haben inzwischen weit über 40 Jahre auf dem Buckel – bis auf Captain America, der nächstes Jahr sogar schon seinen siebzigsten Geburtstag feiert. Seit ihrer Entstehung wurde die Geschichte jeder dieser Figuren schon in unzähligen Comics und Filmen neu interpretiert, im Zyklus Mythos nun von Marvel-Vielschreiber Paul Jenkins und Nachwuchskünstler Paolo Rivera. Doch „neu interpretiert“ wäre hier der falsche Ausdruck, denn die Idee hinter Mythos ist es, wieder zur Ursprungsversion der Geschichten zurückzukehren und diese möglichst unverfälscht wiederzugeben.

Ein heiliger Text

Ein Mythos im eigentlichen Wortsinn ist ein heiliger Text, der die Entstehung der Welt beschreibt, oder erklärt, warum Dinge, Wesen und Abläufe in der Natur so sind, wie sie sind. Im Falle des Comics Mythos ist mit dem Begriff zweierlei gemeint: erstens, wie Superhelden an ihre Kräfte kamen, zweitens eben, wie dies nach der eigentlichen Vision des Erfinders geschah. Als Leser wünscht man sich jedoch, dass Marvel die Ursprungstexte nicht ganz so sakrosankt gewesen wären. Paul Jenkins, der mit Reihen wie The Sentry, Fantastic Four: 1, 2, 3, 4 oder Wolverine: Origin ja bewiesen hat, dass er tolle Comics schreiben kann, merkt man nämlich eine gewisse Ratlosigkeit an: Wie etwas Neues schreiben, wenn man nichts Neues schreiben darf?

Im Westen nichts Neues

Mythos käut stur eine schon hundertmal gehörte Geschichte nach der anderen originalgetreu wieder. Spannung oder gar Überraschung will sich da nicht einstellen, zumal die Geschichten auch alle nach demselben Prinzip funktionieren: Normalo erhält durch Unfall / Mutation / Superserum übernatürliche Kräfte. Nebeneinander gestellt gewinnt das Ganze schnell einen arg repetitiven Charakter, zumal den Figuren nicht der notwendige Raum gelassen wird. In jeweils exakt 24 Seiten entfaltet sich die Genese jedes Helden – viel zu kurz, um in die Tiefe der Psychologie einer Figur eindringen zu können. So bleibt jede Geschichte nur an der Oberfläche und erstarrt in staatstragendem Pathos, was aber die Identifikation mit den Charakteren sehr erschwert. Am Besten gelingt dies noch in Captain Americas Story, die die Tragik Steve Rogers zumindest anklingen lässt, ein neunzigjähriger Mann im Körper eines topfitten Mittzwanzigers zu sein, dem langsam die alten Freunde wegsterben.

Picture-perfect

Lobend hervorzuheben ist hingegen das Artwork von Paolo Rivera. Der Künstler verzichtet auf die üblichen Tuschezeichnungen und malt stattdessen in Öl, was Mythos eine epische Breite verleiht und die pathetische Schwere der Erzählung erträglich macht. Detailliert und ausdrucksvoll tragen seine Bilder den Großteil der Stimmung, sofern sie denn aufkommen will, und faszinieren für sich selbst. In Riveras Portraits und Panoramen kann man Seite für Seite schwelgen, ohne sich auf die Geschichte konzentrieren zu müssen – die kennt man eh schon zur Genüge. Mythos mag für jemanden, der die Figuren noch nicht oder nur aus Film und Fernsehen kennt, ein guter Einstieg in das Feld der Superheldencomics sein, Comic-Kundigen hat er hingegen nur schöne Bilder zu bieten. Damit bringt Mythos das Kunststück fertig, ein Comic für Leute zu sein, die keine Comics lesen – und führt sich somit selbst ad absurdum.

 

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