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Mittwoch, 08. Februar 2012 | 07:27

Rodolphe / Léo: Trent

28.01.2010

Lonesome Canadian Mountie

In drei klassisch frankobelgischen Bilderzählungen führen Rodolphe und Léo durch neue Abenteuer aus dem Leben ihres Helden Philipp Trent, Sergeant der Königlichen Berittenen Polizei Kanadas. Von CHRISTIAN GALGENMÜLLER

 

Nachdem die ersten drei Alben als Einzelbände erschienen sind, folgen nun in vorliegendem Sammelband die Episoden vier bis sechs. Das Tal der Angst erzählt vom Bau der Eisenbahn am White Pass ganz im Norden Kanadas. Die Arbeiten werden von merkwürdigen Zwischenfällen überschattet, für die Hoppo, ein alter indianischer Bärengeist, verantwortlich gemacht wird. Als das Team um den frischgebackenen Chefingenieur und Baustellenleiter George Petterson scheinbar spurlos verschwindet, macht sich dessen Frau mit Trent auf  den Weg, um Licht in die Sache zu bringen.

 

In Wild Bill unterstützt die gleichnamige Wildwest-Legende den besonnenen Mountie bei der Überführung eines Gefangenen. Während sich der merklich gealterte Revolverheld nach seiner baldigen Angetrauten und einem ruhigen Lebensabend in Winnipeg sehnt, erwarten den Verbrecher unterwegs ungeliebte Befreiungsversuche und resolute Bestrafung durch die Handlanger seines vermögenden und politisch ambitionierten Bruders.

 

Im Land ohne Sonne letztlich, inmitten der anhaltenden Finsternis und eisigen Kälte nördlich des Polarkreises, findet Trent an der Seite einer toten Indianerin einen Säugling, den er versucht, wohlbehalten zurück in die Zivilisation zu bringen. Auch wenn sich erst am Ende die genauen Umstände dieses rätselhaften Fundes erhellen, wird ziemlich bald klar, dass Mary Kleiner-Mond eines der Opfer einer Entführung ist.

 

Auf den Spuren von Jack London

Wie vom Verlag angekündigt, lassen Rodolphe und Léo ihren nachdenklichen, zurückhaltenden Helden wiederholt ruhigen Atems verwaiste Pfade „in bester Jack-London-Tradition“ be(sch)reiten. In Situationen, die stets mahnend an die Ausgeliefertheit des Individuums an scheinbar unkontrollierbare Mächte und die Verbindlichkeit des „Law of Survival“ zu erinnern scheinen, bleibt Trent dennoch immer seiner Linie treu und eilt, beinahe unerschütterlich rational und pragmatisch, den Schwachen zu Hilfe.

 

Auch wenn die Figuren alles andere als außergewöhnlich sind und die Charakterisierung teilweise etwas unbeholfen und hölzern erfolgt, so gelingt es dem seit Kenya erprobten Autorenduo doch, in den knappen Erzählungen einige äußerst wieder erkennbare Charaktere zu kreieren. Ungeheure emotionale Tiefe verleiht diesen Mimik und Gestik, handwerklich auf höchstem Niveau ausgeführt und durch geschickte Schraffuren und Spiele mit Licht und Schatten unterstützt. Auch Marie-Paul Alluards ungemein differenzierte Farbgebung, die mit breiter Palette zahlreiche unterschiedlichste Nuancen der Interaktion von Mensch und Natur hervorzuheben vermag, weiß zu gefallen. 

 

Die „tiefe Menschlichkeit“ der Erzählungen, sicherlich auch dem realistischen und naturalistischen Stil- und Themenrepertoire geschuldet, resultiert unter anderem auch aus der selbstlosen Zurückhaltung, die Trent mit stoischer Gelassenheit zelebriert. Selbst in der Plotgestaltung ist diese Zurückhaltung spürbar, wird doch der eigentlich zentrale Charakter erst nach ungefähr 20 Seiten eingeführt – als Erzähler, der die Ereignisse retrospektiv darlegt, ist Trent gar erst nach weiteren 20 Seiten eindeutig zu verorten. Diese Eigenschaft, die zunächst der streng darwinistischen Ausrichtung der Geschichten (und des gesamten Genres) zu widersprechen scheint, wird jedoch dadurch relativiert, dass der Held all seine Kämpfe gegen den „Gott des Wahnsinns“ so übermenschlich pflichtbewusst, standfest und geradlinig zu führen im Stande ist.

 

Polarnachtsträume

Als der ansonsten so nüchterne, rotberockte Held im Tal der Angst zum ersten Mal in Erscheinung tritt, ist er aufgrund der Umstände äußert perplex: Ganz unerwartet begegnet er Agnes wieder, deren Bekanntschaft er bereits im ersten Band Der Tote machte. Allerdings muss Trent feststellen, dass Agnes mittlerweile verheiratet ist. Bei der ersten Unterredung der beiden auf ihrer gemeinsamen Zugfahrt zum White Pass bekommt der Leser sogleich einen etwas ausführlicheren Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten und erfährt, dass zwischen Agnes und Trent durchaus noch immer eine emotionale Bindung besteht. Diese Beziehung zieht sich auch weiterhin wie ein roter Faden durch die ansonsten abgeschlossenen Geschichten.

 

Trents anfängliche Angst, für Agnes in ihrer speziellen Situation keine treffenden Worte „außer den üblichen abgedroschenen Phrasen“ zu finden, weicht am Ende von Wild Bill sehr schnell einer intensiven, freundschaftlichen Wiedersehensfreude, die sich in der abschließenden Erzählung gar zu romantischen Polarnachts(wahn)träumen steigert. Es bleibt also dem Leser selbst überlassen, ob er dem über weite Strecken so programmatisch puritanischen Titelhelden die Rolle des „Lonesome Canadian Mountie“ vollkommen abnimmt.

 

Zusätzlich mit drei Seiten verschiedener Coverskizzen zu den abgedruckten Geschichten ausgestattet, ist der vorliegende Hardcover-Sammelband – trotz einiger orthographischer Unachtsamkeiten, z.B. bei der Schreibweise des Vornamens des Helden – für Sammler und Fans von bodenständigen Abenteuererzählungen durchaus empfehlenswert.

 

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