Auf den Spuren von Jack London
Wie vom Verlag angekündigt, lassen Rodolphe und Léo ihren nachdenklichen, zurückhaltenden Helden wiederholt ruhigen Atems verwaiste Pfade „in bester Jack-London-Tradition“ be(sch)reiten. In Situationen, die stets mahnend an die Ausgeliefertheit des Individuums an scheinbar unkontrollierbare Mächte und die Verbindlichkeit des „Law of Survival“ zu erinnern scheinen, bleibt Trent dennoch immer seiner Linie treu und eilt, beinahe unerschütterlich rational und pragmatisch, den Schwachen zu Hilfe.
Auch wenn die Figuren alles andere als außergewöhnlich sind und die Charakterisierung teilweise etwas unbeholfen und hölzern erfolgt, so gelingt es dem seit Kenya erprobten Autorenduo doch, in den knappen Erzählungen einige äußerst wieder erkennbare Charaktere zu kreieren. Ungeheure emotionale Tiefe verleiht diesen Mimik und Gestik, handwerklich auf höchstem Niveau ausgeführt und durch geschickte Schraffuren und Spiele mit Licht und Schatten unterstützt. Auch Marie-Paul Alluards ungemein differenzierte Farbgebung, die mit breiter Palette zahlreiche unterschiedlichste Nuancen der Interaktion von Mensch und Natur hervorzuheben vermag, weiß zu gefallen.
Die „tiefe Menschlichkeit“ der Erzählungen, sicherlich auch dem realistischen und naturalistischen Stil- und Themenrepertoire geschuldet, resultiert unter anderem auch aus der selbstlosen Zurückhaltung, die Trent mit stoischer Gelassenheit zelebriert. Selbst in der Plotgestaltung ist diese Zurückhaltung spürbar, wird doch der eigentlich zentrale Charakter erst nach ungefähr 20 Seiten eingeführt – als Erzähler, der die Ereignisse retrospektiv darlegt, ist Trent gar erst nach weiteren 20 Seiten eindeutig zu verorten. Diese Eigenschaft, die zunächst der streng darwinistischen Ausrichtung der Geschichten (und des gesamten Genres) zu widersprechen scheint, wird jedoch dadurch relativiert, dass der Held all seine Kämpfe gegen den „Gott des Wahnsinns“ so übermenschlich pflichtbewusst, standfest und geradlinig zu führen im Stande ist.