Jenseits von Ben Hur
Nach einer verlorenen Schlacht gegen Drusus wird der junge Fürstensohn Herrmann als Geisel nach Rom geschickt, um den Frieden zwischen Rom und dem Stamm der Cherusker zu sichern. Dort soll er in der Familie eines römischen Offiziers zu einem Bürger Roms werden. Doch neben der Aussicht zur römischen Oberschicht zu gehören, gibt es da noch den Sohn des Offiziers, der den barbarischen Neuankömmling seine Verachtung deutlich spüren lässt. Zu allem Überfluss entschließt sich der Vater der Familie, der Macht über Leben und Tod des gesamten Haushaltes besitzt, den beiden ihre Flausen auszutreiben und sie zu Legionären zu machen. Die Herausforderungen der Ausbildung und des Zusammenlebens lassen die beiden schließlich Freundschaft schließen.
Hinter diesem recht klassischen Plot verbirgt sich eine panoramatische Schilderung des Zeitraums von 9 v. Chr. bis 1 n. Chr.. Mit großer Liebe zum Detail zeigt jedes Panel einen anderen Teil einer Welt, die einem in Schulbüchern oder in Sandalenepen völlig anders präsentiert wurde. Gleichzeitig spurtet der Plot – inklusive Rückblenden und Traumsequenzen – mit unerbittlichem Tempo über die circa 60 Seiten und lässt dabei von Ben Hur bis hin zum Schulbuch keinen Stein auf dem anderen: Es wird gemordet, gefoltert, gehasst, gevögelt und gejagt.
Man muss Enrico Marini allerdings zugestehen, dass sich das alles hübsch anschaut. Die Ästhetik detailreicher Zeichnungen und schöner Menschen steht hier im Vordergrund. Die Panels sind großzügig bemessen, gehen oft über die ganze Breite der Seite und laden zum genauen Betrachten ein. Jeder Ort besitzt eine eigene Grundfarbe: Die Wälder Germaniens sind in ein kühles Blau getaucht, Rom strahlt in einem warmen Gelbton, genauso wie das Anwesen des Offiziers; der an das Gut anliegende Wald hingegen zeigt sich in einem satten Grün.
Der Detailgrad der Bilder und ihre Komposition ist eine interessante Abwechslung zu amerikanischen Publikationen – beispielsweise Doktor Sleepless von Warren Ellis oder Top Ten von Alan Moore –, die sich mit dem Reichtum der Bilder Marinis und ihrer Komposition schwer messen können. Der Raum in Die Adler Roms wirkt detailreicher und vor allem tiefer.