Mehr Konflikt, bitte!
Es gibt genügend Beispiele, die belegen, dass eine gute Erzählung weder komplex, noch völlig neuartig sein muss – man denke zum Beispiel an die Sin City-Reihe von Frank Miller. Unentberlich sind hingegen anregende Konflikte. Das Problem an Canoe Bay scheint diesbezüglich zu sein, dass es dem Autor Tiburce Oger am Mut gefehlt hat, sich von stereotypen Mustern zu befreien, beziehungsweise sich diese – wie im Falle von Sin City – einfallsreich nutzbar zu machen.
Die amerikanische Geschichte lässt sich auch als Geschichte der Gewalt lesen, und Canoe Bay bietet durchaus gewalttätige Auseinandersetzungen. Allerdings liegt der Gewalt fast durchweg eine moralische Schwarz-Weiß-Zeichnung zugrunde. Die Soldaten der Kolonialmächte, sowohl Briten als auch Franzosen, sind eindimensionale Schurken, während die Hauptfiguren, immerhin Meuterer und Piraten, kein Wässerchen trüben können. Die Indianer wiederum spielen kaum eine Rolle und greifen nur als Funktionen der verschiedenen Seiten – Jäger/Gejagte – in die Geschichte ein. Das Potential für charakterliche Zwischentöne liegt brach, und der Leser wartet vergeblich auf Spannungen jenseits des Handlungsverlaufes.