Postkoitale Zuversicht
Bäche und Flüsse ist About Schmidt ohne die zermürbende Melancholie. Wie schon im Rentner-Roadmovie um Jack Nicholson sind Altersbeschwerden und die Sehnsucht nach körperlicher Nähe zentrale Themen, in spätsommerlich eingefärbter Tour-de-France-Landschaft kommen sie jedoch wesentlich schwereloser daher. Rabatés leichter Federstrich, immer an der Grenze zur Satire, scheint auf ein grundsätzlich heiteres Gemüt hinzuweisen. Selbst der alte Emile kann oft nicht anders, als mit seinen krummen Beinen über die Feldwege zu hüpfen, und die ruckeligen Fahrten seines schuhschachtelartigen Autos gehören zu den schönsten Momenten in diesem Bilderfluss.
Ganz anders trat Rabaté noch in Ibicus auf, dem Monumentalwerk, mit dem der 1961 geborene Künstler erstmals eine breite Aufmerksamkeit fand. Das fünfbändige Album bezieht sich auf eine Romanvorlage von Alexei Tolstoi, ist schwarzweiß gemalt und unterlegt mit einem Grundton der Hysterie; das russische Revolutionsgeschehen darin wirkt, als hätte es einer durchs Spiegelkabinett gezerrt. Bäche und Flüsse ist dagegen ruhiger, beinah verschmitzt. Es sind „die kleinen, nichts bedeutenden Dinge“ sagt Rabaté, die ihn an dieser Geschichte interessieren; sie spielt in einer Gegend, in der er selbst lebt und aufgewachsen ist. Les petits riens – dazu gehören am Ende auch Emile und seine neu gefundene Freundin, die beiden runzlig umschlungen am Fenster, den Blick mit postkoitaler Zuversicht auf die Zukunft gerichtet.