Das innere Afrika
Sie betritt, könnte man sagen, einen noch unentdeckten Kontinent ihrer eigenen Vergangenheit - „dieses wahre innere Afrika“ ist eine Metapher Jean Pauls für die normalerweise unzugänglichen Gebiete der eigenen Psyche. Wenn sie dort allerdings ihren Vater trifft, der ihr endlich enthüllt, warum sie ohne Mutter aufwachsen musste, dann kann das nicht die Rückeroberung von Verdrängtem sein – höchstens die Gnade eines freundlichen Regisseurs ex Machina.
In der dunklen Kammer hinter der verschlossenen Tür verbirgt sich also kein Horrorszenario, sondern ein barmherziger Heilquell. Wenn dann schließlich, nach der Rückkehr in die gewöhnliche Welt, der Vater wieder aus dem Koma erwacht und ein Sonnenstrahl durch die Wolken bricht, dann ist das alles schon fast zu schön, um wahr zu sein.
Ein Gleiches lässt sich auch von der zeichnerischen Gestaltung sagen. Die Zeichnungen von Tom Tirabosco mit weißer und blauer Kreide auf schwarzem Papier sind sehr poetisch, mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten und doch weich. So trägt seine Heldin ihres Gedankens Blässe als weiße Maske im Gesicht, die Augen aber bleiben leer, große runde schwarze Scheiben - gleichzeitig pure Präsenz und pure Abwesenheit. Zu schön, um wahr zu sein, wie gesagt, aber wahr sind wir dann halt wieder ab morgen.