Sag´s mit Bildern!
Pinocchio ist fast durchweg ohne Worte gestaltet. Ausschließlich die Nebengeschichten sind mit Text versehen, ansonsten verlässt sich Winshluss auf die Aussagekraft seiner Bilder. Die Leichtigkeit, mit der man trotz der Abwesenheit von verbalen Erklärungen der Geschichte folgen kann, ist ein Beleg für die Virtuosität des Autors. So ist es beinahe bedauerlich, dass die Nebengeschichte von Jiminy Wanze so vergleichbar textlastig daherkommt, führt dieser Umstand doch nur vor, dass all die Worte kein Mehr an Inhalt transportieren können. Möglicherweise liegt allerdings auch hier der Schlüssel in der Selbstbezüglichkeit, denn Jiminy Wanze ist ein angehender Schriftsteller, der es jedoch nicht schafft, für seine Verzweiflung und seinen Weltschmerz eine angemessene Sprache zu finden, zumindest nicht mit Hilfe seiner Schreibmaschine.
Aller Reflexivität zum Trotz ergeht sich Winshluss nicht in reinem Formalismus. Hochaktuelle politische, soziale und ökologische Bezüge machen aus Pinocchio eine sehr offenkundige Gesellschaftskritik. Gibt es aus dieser Welt, die sich zum apokalyptisch Schlechten entwickelt hat, einen Ausweg? Wer weiß. Vielleicht will Winshluss mit der gelegentlichen, aber immer wiederkehrenden Öffnung seiner Panels andeuten, dass noch nicht alle Türen zu einer etwas besseren Wirklichkeit zugeschlagen sind. Zumindest aber beweist er mit Pinocchio, dass er es als Künstler vermag, uns düstere und doch wunderschöne Welten zugänglich zu machen.