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Freitag, 25. Mai 2012 | 15:19

Flix: Da war mal was...

10.06.2010

Lachen erlaubt?!

Da war mal was… ein Comic, in dem das Unrechtsregime der DDR in lustigen Geschichten angeprangert wird. Darf man das? Flix darf es, findet CHRISTOPHER FRANZ.

 

Schließlich ist Flix – das ist der in Berlin (Ost) lebende Felix Görmann – nicht irgendwer. Der 1976 in Münster geborene Comic-Künstler hat eine schnelle Karriere hingelegt. Sein 2003 veröffentlichter Held schlug ein wie eine Bombe, genauso die Folgebände Sag was und Mädchen. Quasi über Nacht wurde aus dem zweifellos talentierten Nachwuchskünstler einer der angesagtesten Vertreter der deutschen Comicszene.

 

Fortan stand seine Arbeit unter ständiger Beobachtung, jedes neue Werk wurde sehnsüchtig erwartet. Sein Name gilt als Garant sowohl für wirtschaftlichen Erfolg wie auch für gute Kritiken. Dieses Potential zu nutzen, ist nur verständlich, so erschienen in schneller Folge weitere Arbeiten des Künstlers. Viele gute, aber auch einige nicht so herausragende, wie zum Beispiel der auf der allgemeinen „Cartoon-Welle“ mitschwimmende, vom Humor her eher durchwachsene Band Verflixt!.

 

Das Jahr des Flix

2009 stieg Flix dann endgültig in den Olymp der deutschen Comiczeichner auf. Zwar nicht unbedingt mit dem im Januar erschienen Verliebt und dem durchaus lesenswerten, im September erschienen Tut mir leid, aber Weihnachten fällt aus. Vielmehr mit dem schon angesprochenen Da war mal was… und insbesondere mit seiner in der "FAZ" veröffentlichten Adaption von Goethes Faust. Inzwischen ist diese herrlich freie Interpretation eines nationalen Kulturguts als Album erschienen.

 

Jeden Tag nimmt Flix sein Skizzenbuch zur Hand und lässt das Erlebte in ein paar Bildern Revue passieren. Dieses Quasi-Tagebuch ist auf seiner Homepage zu finden und bietet kurzweilige Unterhaltung. Nach Heldentage erschien im März 2009 mit Der Swimmingpool des kleinen Mannes der zweite Sammelband dieser Geschichten. Flix´ Ansatz ist zwar ungemein authentisch, was herauskommt, ist oft auch durchaus lustig, nicht immer aber von bleibendem Wert. Das muss es ja auch nicht sein. Nur merkt man den Geschichtchen bisweilen den Druck des „Unbedingt-was-erzählen-Wollens“ an.

 

Amüsante Geschichtsstunde

Dass es auch anders geht, nämlich unterhaltsam, lustig und gleichzeitig ernst, beweist Flix mit der Serie Da war mal was…. Ursprünglich erschienen die kurzen Geschichten im Berliner Tagesspiegel. Im Februar 2010 fand die Serie mit der 40. Episode ein Ende. Eine Auswahl wurde letzten Herbst anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls als Album veröffentlicht. Der Band war schon wenige Monate nach Erscheinen vergriffen und wurde jetzt in einer zweiten, um vier Geschichten erweiterten Fassung neu aufgelegt. Den Käufern der ersten Auflage sei gesagt, dass die zusätzlichen Geschichten auf der Verlagshomepage zum Download bereit stehen.

 

Bei den Geschichten hat sich Flix Hilfe geholt bei Freunden und Fremden aus Ost und West, die er bat, ihm ihre ganz persönliche Erinnerung an die DDR zu erzählen. Diese hat er dann, ohne in irgendwelchen Ostalgie-Kitsch abzugleiten, zu Episoden verarbeitet, die in ihrer Zusammenschau eine bunte und vielsagende Collage ergeben. Sie handeln aus der manchmal sehr subjektiven Sicht des Erzählers von dessen Bild der DDR oder der Zeit des Umbruchs und reflektieren dies auf humorvolle Weise. Dass diese Möglichkeit, die DDR auch mal durch den Kakao zu ziehen, nicht unbedingt oberflächlich ist, erschließt sich dem Leser nicht immer auf den ersten Blick. Die ganze Unmenschlichkeit des Regimes bricht nicht selten erst im letzten Bild über den Leser herein, dann aber brachial.

 

Mit großer Leichtigkeit - die Zeichnungen im typischen Flix-Funny-Stil verstärken diesen Eindruck - befasst der Künstler sich mit höchst unangenehmen Themen, die zu den dunkelsten der deutsch-deutschen Vergangenheit gehören, ohne dabei einer weiteren Trivialisierung des Themas Vorschub zu leisten. Etwas Neues kann er auf diese Weise jemandem, der nur halbwegs im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, nicht erzählen. Will er auch nicht. Er will die Erinnerung wach halten und das nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern, getreu dem Motto "prodesse et delectare", unterhaltsam und mit einem Schmunzeln.

 

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