Leiden eines Schriftstellers
Was bei Flaschko schon unübersehbar zu Tage tritt, nämlich die Kunst der ständigen Wiederholung der Bilder und gleichzeitig die Variation des Inhalts, erlebt ihren Höhepunkt in Längen und Kürzen – zumindest in den darin abgedruckten Comics. Mit diesem Buch hat Mahler nichts Geringeres als den ersten Band seines schriftstellerischen Gesamtwerks vorgelegt. Oder so ähnlich. Denn das Bändchen, das vollmundig und scherzhaft ankündigt, alles zu versammeln, was Mahler in seinen Schubladen finden konnte, kommt eher schmalbrüstig daher. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Mahler sei ein sehr ordentlicher Mensch, der seinen Schreibtisch regelmäßig aufräumt.
Dass aber, wie bekannt, Klasse nicht unbedingt immer Masse sein muss, beweisen die auf den überschaubaren 128 Seiten versammelten „Briefe, Postkarten, Faxe, Gedichte“, ein Roman und die schon erwähnten Comics. In ihnen spielt Mahler auf vielseitige Weise mit den Facetten des Literaturbetriebs im Allgemeinen und den (fingierten?) Widrigkeiten eines Autors (er selbst?) auf der Suche nach einem Verleger. Dass Mahler nicht nur im Medium des Comics brillieren kann, beweist er mit den lustigen und geistreichen Texten. Zum Beispiel in den Postkarten an Dorothee, in denen er seine Fortschritte und Rückschläge in der Produktion seines Werks dokumentiert. Die ultimative Mahler-Gesamtausgabe ist das vorliegende Büchlein zwar noch nicht, gerne würde man seine teilweise an sehr entlegenen Stellen publizierten Arbeiten in einem Buch versammelt sehen. Aber auf jeden Fall ist Längen und Kürzen ein netter Anfang.