Thomas Kistner: Fifa-MafiaFrankie Chavez: Family TreeTATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012)von Michael EbmeyerDer FUTTERblog - streng verdaulich!Kennzeichen T - 28.04.2012
Eine Erlanger Institution feierte dieses Jahr Jubiläum: Zum 25. Mal fand das Comic-Zeichner-Seminar statt. Grund genug für MATTHIAS ROSS, sich den Kurs und den deutschen Comic-Nachwuchs einmal näher anzuschauen.
1986 fand es zum ersten Mal statt: das deutsch-französische Comic-Zeichner-Seminar. Seitdem ist es zu einer jährlichen Veranstaltung geworden, dessen Ergebnisse alle zwei Jahre beim Erlanger Comic-Salon präsentiert werden. Viel hat sich in dieser Zeit verändert: Anno '86 war Deutschland, was das Medium Comic angeht, noch ein Entwicklungsland. Heute hingegen ist eine blühende Szene voller kreativer Köpfe und interessanter Projekte entstanden, die auch international Anerkennung und Beachtung finden. Diese Entwicklung reflektiert sich auch darin, dass das Seminar dieses Jahr erstmals von zwei deutschen Zeichnern geleitet wurde, dem Hamburger Markus Huber, bekannt durch Comics wie Nichts von Bedeutung und Promenade à Saturnia, sowie dem Münchner Illustrator Uli Oesterle, dem mit seiner grandiosen Graphic Novel Hector Umbra eine der großen Überraschungen des letzten Jahres gelang.
Erzählen in Bildern
Das Seminar wird von der Comic-Agentur Contours und dem Kulturprojektbüro der Stadt Erlangen veranstaltet und richtet sich an jeden, der Interesse am Medium hat, zeichnen kann und selber einmal Lust hat, eine Geschichte in Bildern zu formulieren. „Beim Seminar geht es nicht darum, zeichnen zu lernen“, erklärt Nils Oskamp, einer der diesjährigen Absolventen. „Dass die Leute das schon können, davon wird ausgegangen. Es geht darum, in Bildern erzählen zu lernen.“ Dabei gibt es viel zu beachten. „Ich nehme das als Mischung aus Graphik, Film und Literatur wahr. Das ist eine hoch komplexe Mischung“, sagt Andreas Möller, ein weiterer Teilnehmer. Er ist sehr zufrieden mit dem Erkenntnisgewinn des diesjährigen Seminars: „Ich habe sehr viel gelernt. In erster Linie in Bezug darauf, wie man Geschichten erzählt; wie man innerhalb der Geschichte Bilder komponiert, was man zeigt, was man nicht zeigt, wie man Bildausschnitte wählt.“
Fünf Tage lang, zwölf Stunden täglich, manchmal sogar mehr, sitzen die Seminar-Teilnehmer an ihren Arbeiten und werden von den Dozenten mit Rat und Tat begleitet. Uli Oesterle erklärt, worauf er besonderen Wert legt: „Es sind zwei Hürden zu nehmen. Die erste ist, die Geschichte so aufzubauen, dass sie funktioniert und gut lesbar ist – sei es in Storyboard-Bildern oder Panel-Aufteilungen. Wenn das geschafft ist, geht’s damit weiter, die Bilder ins Reine zu zeichnen. Das dann umzusetzen ist oft nochmal eine zweite, wirklich große Hürde. Man braucht einfach eine gewisse Routine, bis man seinen eigenen Stil gefunden hat. Doch bis dahin ist es ein sehr harter Weg.“
Hartes Brot
Die Hintergründe der Teilnehmer des Comiczeichner-Seminars sind sehr weit gefächert: Vom vierzehnjährigen Fan über den hauptberuflichen Graphiker bis hin zum vierzigjährigen Hochschullehrer für Kunstdidaktik ist alles vertreten, was sich für Comics als Medium interessiert. Allen gemeinsam ist jedoch die Leidenschaft für die Neunte Kunst. Und diese Leidenschaft ist nötig, denn auch wenn sich in Deutschland in den letzten Jahren viel getan hat, eine lukrative Arbeit ist das Zeichnen von Comics leider immer noch nicht. Es gibt nur sehr wenige Autoren in Deutschland, die von Comics leben können. „Es hilft, wenn man Single ist, in Berlin wohnt und Fixkosten von vielleicht 400 Euro im Monat hat“, spottet Uli Oesterle.
So braucht es eine ordentliche Portion Idealismus, um ins Comic-Business einzusteigen: „Wenn man Comics macht, braucht man einen sehr langen Atem. Das ist einfach eine sehr langwierige Art, Geschichten zu erzählen. Da sitzt man Monate und Jahre dran. Allein das muss man schon mal durchhalten. Und man braucht den Willen, nicht einfach mal nur acht Stunden zu arbeiten, sondern auch mal zwölf, vierzehn Stunden – das muss ja alles neben der normalen Arbeit passieren“, beschreibt Oesterle den harten Alltag des Comic-Künstlers.
Morgen!
Doch auch da hören die Herausforderungen für den Comic-Zeichner noch nicht auf. Es muss ja auch ein Verleger gefunden werden, sonst wird den eigenen Comic niemals jemand lesen. Man muss auf sich aufmerksam machen. Gerade hierfür bietet das Seminar einmalige Gelegenheiten: Man lernt andere Comic-Enthusiasten kennen, kann Kontakte knüpfen, und die fertigen Werke werden auf dem Salon ausgestellt. Auch Uli Oesterle hat vor fünfzehn Jahren als Teilnehmer des Seminars begonnen: „Dadurch kannte man mich und ich hatte auch schon einen Fuß in der Tür“. Er beurteilt seine Erfahrungen damals als durchweg positiv.
Man kann nur hoffen, dass den Teilnehmern des diesjährigen Workshops ein ähnlicher Werdegang gelingt. Talent genug ist vorhanden, wie die Ausstellung in der Erlanger Salon-Galerie beweist. Trotz des einheitlichen Themas Morgen!, das die Arbeiten verbindet, sind die Comics abwechslungsreich und weisen eine weite Bandbreite an künstlerischen Ausdrucksformen auf; von der fotorealistischen Bleistiftzeichnung bis hin zur expressionistischen Tuscheskizze. Doch irgendwie scheint bei den angehenden Comic-Künstlern ein gewisser Pessimismus zu herrschen, was ihre Zukunftsaussichten betrifft: Geläufigstes Motiv sind Endzeitgeschichten ...
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