Projizierter, schimmernder Wahn
Was das Publikum dann zu hören und sehen bekommt, ist ein wilder Ritt in die Münchner Unterwelt. Während DJ Nicolai Vogel an den Turntables den Raum beschallt, besorgt VJ Michael „Gene“ Aichner die nötige Optik. Auf eine Leinwand in der Bühnenmitte projiziert er Hector Umbras Horror-Trip. Die Geschichte um zum Leben erwachte Wahnvorstellungen in der Club- und Subkultur der Bayern-Kapitale schimmert mal als Einzelbild, mal als Panelfolge auf. Aichner unterlegt sie farbig, zoomt in die Panels hinein oder aus ihnen heraus, bringt sie zum Schwingen und Vibrieren.
Die visuelle Gestaltung überzeugt. „Ich fand sehr gut, dass nicht einfach eine komplette Seite projiziert wurde, sondern versucht wurde, Bild für Bild den Lesefluss nachzuahmen“, äußert sich einer der Besucher nach der Lesung positiv überrascht. Im Vergleich zur Lesung Mädchen Monster Missgeschicke von Flix, Christian Moser und Ralph Rute, die er vor zwei Jahren auf dem Comic-Salon besucht hat, hebt sich für ihn die Hector Umbra-Lesung deutlich ab. Besonders Oesterles gute Atemtechnik und seine überzeugende Interpretation der Charaktere streicht er positiv heraus.