Weite Reisen, schöne Frauen
Das Publikum war begierig zu wissen, unter welchen Bedingungen der italienische Comic-Künstler arbeite. Kostendeckend und überall, wo man zeichnen könne, war die Antwort. So fuhr er vor ein paar Jahren mit seinem Wohnwagen voll mit erotischen Zeichnungen über die indisch-pakistanische Grenze, stets in der Angst, angehalten und vermutlich geköpft zu werden. Ein anderes Mal machte er mit einem Frachtschiff eine Reise, die Pratt vor ihm bereits gemacht hatte. Finanzieren ließen sich diese Reisen von Nachdrucken seiner Werke, von denen Manara als alleiniger Schöpfer 10% und als reiner Zeichner 5% bekommt. Dabei verwies er freudestrahlend auf die neue Werkausgabe von Panini, die vor ihm lag.
Eine Fragerunde, welche die Darstellung von Frauen und Sexualität fast komplett ausklammerte, wurde von Havas dann doch auf den Punkt gebracht. Warum Manara scheinbar nur ein und dieselben Frauentyp zeichne und nur den Kopf und die Frisur verändere, wollte er wissen. Ebenso wie die großen Meister, so Manara, habe auch er stets einen Archetyp, ein Modell vor Augen. Wenn er hübsche Frauen auf der Straße sehe und versuche diese zu zeichnen, so müsse er zugeben, dass am Ende immer eine ähnliche Figur entstehe. Ein bisschen entschuldigend meinte der italienische Meister, dass dies sicher auch daran liege, dass die Kunst des Comics eine bestimmte Sprache besitzt, die auch von der Spannung des einzelnen Bildes lebe. Diese Spannung verkörpere für ihn dieser gewisse Typus Frau. Sowohl Zeichner als auch Publikum zeigten sich sichtlich erfreut, dass Manara es endlich nach Erlangen geschafft hatte und die Lust auf seine Comics so neu geweckt werden konnte.