Robert Crumb musste für ihn zeichnen
Mit Crumb teilte er zunächst die Leidenschaft für Jazz und das Stöbern auf Flohmärkten nach wertvollen alten Platten. Aber 1968 war Crumb mit „Zap Comics“ einer der Auslöser der Undergroundcomic-Bewegung. Er verkaufte sein Heft, in dem er die Hippiekultur dokumentierte und zugleich auf die Schippe nahm, direkt in deren Zentrum Haight-Ashbury in San Francisco und begann dann nach und nach, sein eigenes Leben am Rande dieser Szene zum Gegenstand seiner Comics zu machen. Obwohl Pekar in Cleveland blieb, riss der Kontakt zu Crumb nicht ab. Er wurde von der Faszination der Comics angesteckt, und weil er überzeugt war, nicht zeichnen zu können, überredete er Crumb, nach seinen Entwürfen auch Comics über „the Life and Times of Harvey Pekar“ zu produzieren – noch radikalere, weil er zu keiner Szene gehörte und sich an keinem Brennpunkt der Kultur befand. 1972 entstand der erste Pekar-Comic, 1976 erschien die erste Ausgabe von „American Splendor“ und ab da bis zuletzt etwa jährlich eine weitere.
Nach allem, was zu erfahren ist, hatte „American Splendor“ zwar eine treue Fangemeinde, verkaufte aber miserabel, und das, obwohl Pekar eine Weile special guest in der David-Letterman-Show war, wo er als moserndes, alle Konventionen ignorierendes Original Furore machte, was allerdings naturgemäß den Werbekunden missfiel. Es muss für ihn eine bemerkenswerte Erfahrung gewesen sein, einem Fan wie Joyce Brabner gegenüberzustehen, die sein neuestes Heft in ihrem Laden verpasst hatte und sich deshalb hilfesuchend direkt an den Autor wandte. Jedoch brach Pekar auch hier mächtige Erzähltraditionen, indem er auf jegliche Romantik verzichtete und sich ganz auf den nicht einfachen Ehealltag zweier schwieriger Menschen konzentrierte, die freilich trotzdem zusammen blieben. Zwei frühere Ehefrauen hatten ihn sitzen lassen.