Auf der schiefen Bahn
Als wahres Kleinod hingegen erweist sich der Band Die Packard Gang von Marc Malès, der in Deutschland bisher durch zwei Comic-Biografien zu Dashiell Hammett und Ernest Hemingway nur mäßige Bekanntheit erlangt hat. In SW-Zeichnungen breitet er auf 144 Seiten die Geschichte um Barton, einen alternden und einsamen Polizisten im Amerika der 1950er Jahre, aus.
Als dieser erfährt, dass ein vor Jahren von ihm verhafteter Bankräuber bei der damaligen Gerichtsverhandlung trotz seiner Unschuld einen Mord auf sich genommen hat und somit nur knapp der Todesstrafe entgangen ist, kann er dies nicht begreifen. Er macht sich auf die Suche nach dem ehemaligen Häftling. Der lebt, durch seine Haftstrafe scheinbar geläutert, in einer kleinen Landgemeinde, wo er sich, getreu dem Ideal des „Rural America“, kleinbürgerlich und streng gläubig mit seiner Familie eine bodenständige Existenz aufgebaut hat. Mit den Mitteln des Großstadtpolizisten versucht Barton hinter die damaligen Beweggründe zu kommen und offenbart dabei zusehends eigene Probleme und seine pessimistische Weltsicht.
Was den Band zu einem ersten Höhepunkt der Reihe macht, ist die Erzählweise, die trotz der gradlinigen, stets vorhersehbaren und klischeehaften Handlung den Leser durch ihr fast schon filmisches Voranschreiten in den Bann zieht. Bilder des Film Noir flackern unweigerlich vor dem inneren Auge auf, genauso wie man sich von den teilweise unübersichtlichen und durch schwarze Flächen verschatteten Zeichnungen an klassische Krimi-Comics wie Will Eisners Spirit oder Dick Tracy erinnert fühlt.
Die drei Bände sind, besonders in ihrem Dreiklang, ein Highlight dieses Comic-Sommers. Wegen ihrer Heterogenität sind sie aber auch jeder für sich uneingeschränkt zu empfehlen. Auch Moynots Nestor Burma hat sicherlich eine Chance verdient …
