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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 16:41

Yslaire /Bastide & Mezil: Der Krieg der Sambres - Hugo & Iris 1 / Hugo & Iris 2

05.08.2010

Prequerellen

Die Sambre-Saga um Rothaarige, Rotäugige und ihr problematisches Miteinander bekommt nach einem Sequel-Zyklus nun auch eine Vorgeschichte. Mit Hugo Sambre, dem Vater von Bernard und der Krieg der Augen-Theorie, geht es zurück ins Jahr 1830 und dort konfliktträchtig weiter. Von BORIS BAUSCH

 

Man kennt das Prequel als Jungbrunnen, den vermutlich jeder Hollywood-Produzent in seinem Garten stehen hat. Wo einer Reihe die Luft ausgeht oder der Stoff für einen frühen Nachklapp fadenscheinig wird, da bietet sich der Blick in das Vorleben, die Vorgeschichte der Helden an. Die Familiensaga Sambre eignet sich auch aus künstlerischer Sicht ganz gut dafür, ist doch die zuerst dargestellte, aber chronologisch mittlere Phase so stark zwischen unklarer Vergangenheit und ungewisser Zukunft eingespannt, dass sowohl Fortgang als auch Ursprung des Ganzen durchaus interessieren.

 

Der Ahnherr als junger Mann

Über diese Vorzeit weiß man aus dem ersten Zyklus schon, dass für Bernard Sambres Vater Hugo ein Krieg der Augen zur fixen Idee geworden war: Rotäugige sollen dazu bestimmt sein, das Haus der rothaarigen Sambres in den Untergang zu stürzen. Er selbst brachte sich um und wurde zu Beginn beerdigt. Am Ende starb sein Sohn in den Wirren der Februarrevolution, nachdem die Begegnung mit der rotäugigen Julie tatsächlich einigen Aufruhr in sein Leben gebracht hatte. Das Geschehen nach Hugos Ableben passte also gut zu seinen Thesen, die er in einem legendären Manuskript niedergeschrieben hatte.

 

Band 2 Band 2

Im neuen Zyklus wird Hugos Welt wieder lebendig. Statt seines verstaubten Porträts also ein junger Mann mit familiären Problemen und gefährlichen Leidenschaften. Am Anfang mit einer Zwangsheirat wieder ein eher tristes Familienereignis. Für die Familie von Hugos Braut Blanche ist es der „Eintritt in die gute Gesellschaft der Restauration“, für die Sambres finanziell eine lohnende Angelegenheit. Hugo gerät so an eine Kupfermine, die zur Zerreißprobe zwischen Familien- und Eigensinn beiträgt. Er soll sie eigentlich gleich zu Geld machen, doch ein Grubenunglück erweckt seinen Forscherdrang: Unter Tage entdeckt er ein rätselhaftes Gräberfeld und vor allem einen Schädel mit einem blutroten Stein in der Augenhöhle.

 

Im Kreis der Familie stößt dieses brotlose Interesse auf Ablehnung, aber der nicht minder sture Hugo macht sich auf nach Paris, um weiter über Schädel und Steinauge zu arbeiten. Er fühlt sich von der rätselhaften Vergangenheit angesprochen, die im Stadtleben plötzlich ein Echo findet. Am Übergang zum zweiten Band bestaunt Hugo in der Oper die rotäugige Iris, die ihn fortan in ihren Bann schlägt. Die reizvolle, aber auch gefährliche Welt jenseits der Familie bekommt ein Gesicht.

 

Variatio delectat

Der geneigte Leser erwünscht sich vom Nachschub in der Regel eine Mischung aus Kontinuität und Variation. Die größte Abweichung hier ist der offensichtlich veränderte Stil, der auf neue Zeichner zurückzuführen ist. Der Schöpfer Yslaire zeichnet bei diesem Zyklus nur für das Szenario verantwortlich, während Bastide und Mezil visuell frischen Wind in die Sache bringen.

 

Passend zur politisch noch ruhigeren Zeit um 1830 wählen sie nämlich eine gediegenere Optik. Sie arbeiten nicht mit harten Kontrasten, sondern mit farblichen Nuancen und tauchen alles in ein gedämpftes Licht, das die Ruhe vor dem Sturm greifbar werden lässt. Der Grad an Stilisierung ist zurückgenommen, die Figuren und die Umgebungen sind realistischer gezeichnet. Gleich die erste Seite (nach dem Prolog) ist in Aufbau und Anordnung der Panels eine Reminiszenz an die erste Seite der Saga überhaupt, macht aber auch den eigenen Weg klar.

 

Für Kontinuität sorgt das Grundmodell vom Krieg der Augen, das hier nun in seiner Genese verfolgt werden kann. An diesem Punkt stößt das Projekt Sambre allerdings allmählich an Grenzen. Die simple Opposition von Rothaarigen und Rotäugigen gab und gibt ein Gerüst ab für Details, Atmosphäre, grafische Raffinesse. Die Gefahr besteht, dass mit zunehmender Ausdehnung – und in gewissem Maße auch durch die Anhebung der Stilhöhe – dieses Konstrukt immer "staatstragender" daherkommt und doch nur mäßig fesselt. Für die Augen des Lesers bieten diese ersten beiden Bände des neuen Zyklus‘ jedoch in jedem Fall ein stimmiges Konzept und immer wieder beeindruckende Ansichten.

 

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