Der Held ist die Welt
Harders "Erzählwerkzeug" besteht aus einer betont zurückhaltenden Erzählerstimme und dem gekonnten Einsatz von ergänzenden Bildern. Erstere schaltet sich immer wieder erläuternd ein. In manchen Situationen verbindet sie die weißen Flächen zwischen den Panels, wenn der erforderliche Sinnsprung zu groß ist, teils reißt sie aber auch selbst die Lücken in zusammenhängende Sequenzen. Durch eingefügte Einzelbilder unterbricht er den Sinnzusammenhang der Sequenz: Eine Zeichnung vom Atomium in Brüssel fügt sich zwischen zwei Abbildungen der ersten Kettenreaktionen von Molekülen ein. In späteren Sequenzen finden sich eingeschobene Bilder von Comic-Figuren, Anspielungen auf Populär- und Hochkultur, die die Panelzwischenräume mit gänzlich ambivalenten Konnotationen versorgen.
Auch wenn sich Harder auf bestimmte Erzählkonventionen wie den Einsatz von Bildzitaten und eine Erzählerstimme stützt, macht das Alpha Directions nicht per se zu einer Erzählung. Es fehlen Konventionen, die dem Leser helfen einzusteigen, bekannte Muster, wie z.B. das Auftreten eines Helden oder eines Antihelden oder überhaupt einer Figur, mit der sich der Leser identifizieren kann. Ein solcher Fixpunkt fehlt der Geschichte vollends. Auch ein Spannungsbogen ist nicht existent, da die Entstehung der Welt, des Universums und des ganzen Rests keiner Klimax bedarf. Doch eine deutsche Leserschaft ist gerade in Bezug auf einen Comic an eben solche Konventionen gebunden. Autoren und Zeichner, die sich nicht an diese Prämisse halten, werden es schwer haben, auf dem heimischen Comicmarkt zu bestehen.