Nicht totzukriegen
Thomas und Buscema hatten sich eng an das von Carter vollendete Manuskript gehalten. Truman begnügt sich dagegen mit dem nach seiner Aussage etwa zwei Manuskriptseiten umfassenden Fragment Howards, das er ungeachtet der Carter-Fassung nach eigenem Gusto kräftig ausschmückt und weiterdichtet. Wo die alte Marvel-Ausgabe die Storystruktur entsprechend dem begrenzten Raum eines Comichefts vereinfacht, schaltet Truman eine fast drei Hefte umfassende Vorgeschichte vor, in der sich Conan als Söldner verdingt und die Bekanntschaft von Iniri macht, während erste Vorbereitungen von Atalis' Kultopfer eingeflochten werden. Der titelgebende Talisman, Nergals Hand, der bei Carter zwei Geisterwesen entfesselt, die sich schließlich gegeneinander wenden, spielt hier fast keine Rolle. Truman hat viel Platz (und muss ihn füllen),um eine düstere, magische Welt zu entfalten, die Conan bedroht. Das wird erst am neu erfundenen Ende richtig spannend.
Zeichner Giorello macht mehr aus seinem Part. Seine Grafik weist durchgehend eine dichte Atmosphäre auf, die Aquarellierung erinnert teilweise an Altmeister Jeff Jones. So hilft die Optik über manche Längen der Story hinweg. Giorello bleibt übrigens auch nach dieser Miniserie fester Conan-Zeichner, etwa in dem inzwischen erschienenen Panini-Band # 12.
Conan ist nicht totzukriegen – was nicht nur für die Fans des Schwert schwingenden Cimmeriers Grund zur Genugtuung ist. Angesichts des immer noch starken, auch durch Rollen- und Computerspiele befeuerten Fantasy-Booms kann er weiter neue Anhänger finden. Dark Horse begnügt sich nicht mit der bloßen Resteverwertung einer einst bahnbrechenden Comic-Serie, sondern bemüht sich sichtlich, ein hohes Niveau zu halten und ihr neue Aspekte abzugewinnen.

