Schmutzig und ätzend
Das alles wird mit einem krakeligen, fast schon aggressiven Pinselstrich inszeniert. Dieser lässt die Bilder wüst, aber kraftvoll erscheinen. Die gewählte Farbgebung trägt ebenfalls dazu bei – neben einigen Graustufen finden lediglich einige schmutzige Grün- und ätzend wirkende Gelbtöne ihre Verwendung. Zwischenzeitliche Aufhebungen der Panelstruktur und Bildmontagen, in denen sich das Dargestellte oft überlappt, bringen ebenfalls viel Unruhe, aber auch eine immense Dynamik in das Geschilderte. Auch das gelungene Handlettering leistet viel in diese Richtung – der Comic sieht insgesamt wirklich nach Punk aus. Dass sich dieser Eindruck einstellt, ist ein Stück weit auch den vielen Zeitsprüngen geschuldet. Diese lassen die Erzählstruktur zwar etwas chaotisch wirken, bringen die zahlreichen Nebenhandlungen aber gekonnt zu einer spannenden Einheit.
Andi Lirium stellt im Vorwort fest, dass die erzählte Geschichte nicht tatsächlich so stattgefunden hat, wie er sie schildert, die Handlung und die dargestellten Personen jedoch auf wahren Vorbildern beruhen – nur eben entsprechend überzeichnet. So kann man die zugegebenermaßen etwas zu dick aufgetragene Story durchaus für einigermaßen bare Münze nehmen, genauso wie man hinter den idealisierten Figurenzeichnungen reale Menschen ausmachen kann – man muss nur die ausgeprägten Muskeln der Akteure und ihre überdimensionierten Pornopenisse als zweckdienliche Staffage für die Action und Ästhetik des Comics erkennen.
Insgesamt lässt sich definitiv sagen, dass der junge Hamburger mit dem schönen Pseudonym ein gelungenes Comicdebüt vorgelegt hat, das es auf jeden Fall verdient, auch außerhalb von Homokreisen wahrgenommen zu werden.

