Utopie und Dadaismus
Das Personal mag klischeehaft erscheinen, aber David B. gelingt es, eine vielschichtige, detail- und fintenreiche Geschichte zu erzählen, die die vermessenen Utopien und die nihilistische Orientierungslosigkeit dieser Umbruchszeit ausleuchtet. Während die einen im Stechschritt Richtung Zukunft drängen, werden die anderen von den Gespenstern der Vergangenheit verfolgt. D’Annunzio lässt seine Soldaten marschieren und inszeniert sich auf Massenkundgebungen, die der späteren faschistischen Ästhetik den Boden bereiten. Am Ende steht aber ein dadaistischer Begräbnisumzug, ein „großes Geisterfest“: „Die Phantasie wird die Macht zerstören und ein Lachen wird sie begraben.“
Wie David B. Menschenmassen in seine Panels schlichtet, ineinander verknäult und zu Ornamenten verknotet, ist sensationell. Man wird den Verdacht nicht los, dass die Gewalteskalationen in Fiume, die immer wieder zu Massenschlägereien führen, vom Autor angestachelt wurden, um seine zeichnerischen Vorlieben zu befriedigen. Übel nehmen kann man es ihm nicht. Aber auch wie er D’Annunzio in einem Meer aus Sprechblasen ertrinken lässt oder wie er die einzelnen Panels zu ganzseitigen Tableaus auflöst, macht ihm so schnell keiner nach.