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Freitag, 25. Mai 2012 | 15:29

Lee/Richards: Stolz und Vorurteil und Zombies

06.01.2011

Klassiker und Gehirngulasch

Mit seiner zombiefizierten Neufassung von Jane Austens Entwicklungsroman feiert Seth Grahame-Smith gigantische Erfolge. Aber auch die Comic-Adaption beweist, dass lustige Ideen nicht gegen Langeweile gefeit sind. Von SVEN JACHMANN

 

Zombies eignen sich vortrefflich als Chiffre sozialer Katastrophen. Und wenn man sich die gegenwärtigen Bildermaschinerien ansieht – von The Walking Dead über George A. Romeros kontinuierliche Instandhaltung seiner eigenen Mythologien bis zu einer riesigen Phalanx an Direct to DVD-Produktionen, die seit Jahren die Lebenszeit attackieren -, dann ist diese Feststellung längst nicht mehr originell, sondern zentraler Inhalt der Werke.

 

Die Rezeption wird sozusagen von den Werken stärker denn je affirmiert und mitgedacht. Sobald sich Muster zu verfestigen drohen, kann Humor Abhilfe schaffen, aus dem einfachen Grund, weil die neu etablierten Gesetze neue Pointen schaffen. Im besten Falle ergänzen sie das Sujet. Im Jahr 2006 machte beispielweise Andrew Currie in seinem Film Fido aus dem Zombie auf ziemlich garstige Weise den besseren Haussklaven und führte den faschistoiden Tonfall der Dystopien ins bürgerliche Wohnzimmer der 50er Jahre-Suburbs.

 

Zombies ohne Mehrwert

In den schlechten Fällen hingegen ist dient das ganze Projekt eben dazu, einem modischen Thema krampfhaft eine Facette anzudichten. Seth Grahame-Smith beispielsweise mochte Janes Austens 1813 erstmals veröffentlichten Entwicklungsroman Pride and Prejudice nicht gerne lesen. Also schrieb er ihn neu und garnierte den relativ identisch belassenen Handlungsverlauf mit Zombies. Weil der Erfolg nicht nur in den USA gigantisch war (eine Verfilmung ist derzeit in Produktion) und die Neustrukturierung bekannter Elemente berühmter Stoffe und Motive in sämtlichen Künsten der Moderne zwar gang und gäbe, im digitalen Zeitalter zumindest für Feuilletonisten jedoch etwas völlig anderes ist, nannte man diese Methode fortan Mashup.

 

Diese freie Literaturadaption wurde also nun als Comic adaptiert. Und wie für das Buch gilt auch hier: Der Mehrwert besteht allein in der Idee, zwei denkbar disparate Elemente zusammenzuführen. Wenn Grahame-Smith sich bei der Austen-Lektüre gelangweilt hat, dann ist nun zumindest klar, dass Zombies dem Stoff auch nicht weiterhelfen.

 

Standesdünkel ohne Perversionen

Wer also auf Perversionen statt Standesdünkel des englischen Adels zählte, auf ein frühzeitiges Salò im Inferno entfesselter Zombieheere, das die Frage nach den Gesellschafts- und Humanitätsbegriffen angesichts ihrer drohenden Auflösung neu verhandelt, sollte hier lieber Regress erwarten. Denn neben der Instruktion sozialer Kapitalsformen lernen die fünf Töchter der Familie Bennet eben aufgrund der Zombieplage die Kunst der Selbstverteidigung. Letztlich sind sie nichts weiter als kämpfende Amazonen, über deren Ausbildung der Vater akribisch und rücksichtslos wacht. Alles weitere bleibt gleich, ist nun nur angereichert mit Insignien der Coolness, einem Oberflächenreiz, der bedächtig respektvoll-respektlos das Original mit der Gegenwart vereint, indem er sogar Ninjas einführt, bestrapste Beine im Kampfgetümmel entblößt und die fünf Töchter in die maschinelle Anmut über den Tod triumphierender Samurais hüllt.

 

Wege des Trashs werden dennoch tunlichst gemieden, die Autorität der Vorlage bleibt unangetastet. Stattdessen gleichen sich die Zeichnungen dem lustlosen Ideenspiel an. Schwarzweiß und mit fetten Konturen bewegen sich die Figuren vor den bloß skizzierten Hintergründen, deren Blässe und ständige Andeutungen den Fokus unmittelbar auf die dialogreichen Figurenkonflikte richten, damit aber auch unterstreichen, wie unwichtig das Zeitkolorit eigentlich ist. Es geht eben nicht um eine Neuschöpfung oder um die Vereinigung zweier epochaler Lesarten im neu definierten Rahmen einer Gesellschaftsstudie, sondern um einen erzählerischen Gag, der sich selbst genügt und tatsächlich mal zum Buch respektive Comic gereift ist. Interesse an seiner Vorlage besitzt er nicht. Desinteresse jedoch war noch nie ein gutes Mittel gegen Langeweile.

 

Der Sidekick von Jerry Spring heißt ...

(6)Pancho
(7)Juanito
(0)Sancho

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Beantworten Sie dazu nur die Frage links im Kasten - viel Glück! 



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