Standesdünkel ohne Perversionen
Wer also auf Perversionen statt Standesdünkel des englischen Adels zählte, auf ein frühzeitiges Salò im Inferno entfesselter Zombieheere, das die Frage nach den Gesellschafts- und Humanitätsbegriffen angesichts ihrer drohenden Auflösung neu verhandelt, sollte hier lieber Regress erwarten. Denn neben der Instruktion sozialer Kapitalsformen lernen die fünf Töchter der Familie Bennet eben aufgrund der Zombieplage die Kunst der Selbstverteidigung. Letztlich sind sie nichts weiter als kämpfende Amazonen, über deren Ausbildung der Vater akribisch und rücksichtslos wacht. Alles weitere bleibt gleich, ist nun nur angereichert mit Insignien der Coolness, einem Oberflächenreiz, der bedächtig respektvoll-respektlos das Original mit der Gegenwart vereint, indem er sogar Ninjas einführt, bestrapste Beine im Kampfgetümmel entblößt und die fünf Töchter in die maschinelle Anmut über den Tod triumphierender Samurais hüllt.
Wege des Trashs werden dennoch tunlichst gemieden, die Autorität der Vorlage bleibt unangetastet. Stattdessen gleichen sich die Zeichnungen dem lustlosen Ideenspiel an. Schwarzweiß und mit fetten Konturen bewegen sich die Figuren vor den bloß skizzierten Hintergründen, deren Blässe und ständige Andeutungen den Fokus unmittelbar auf die dialogreichen Figurenkonflikte richten, damit aber auch unterstreichen, wie unwichtig das Zeitkolorit eigentlich ist. Es geht eben nicht um eine Neuschöpfung oder um die Vereinigung zweier epochaler Lesarten im neu definierten Rahmen einer Gesellschaftsstudie, sondern um einen erzählerischen Gag, der sich selbst genügt und tatsächlich mal zum Buch respektive Comic gereift ist. Interesse an seiner Vorlage besitzt er nicht. Desinteresse jedoch war noch nie ein gutes Mittel gegen Langeweile.