Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 15:30

Dorison / Lauffray: Prophet, Bd. 1 & 2

16.12.2010

Erlöser wider Willen

Der begabte Zeichner Mathieu Lauffray mausert sich in den letzten Jahren zu einem veritablen Szenaristen. Mit Prophet sind seine ersten Gehversuche als Autor endlich auch in Deutschland angekommen. FALK STRAUB hat sich Band 1 & 2 der Fantasy-Serie einmal angesehen.

 

Mathieu Lauffrays erste eigenständige Serie hat eine beschwerliche Reise hinter sich. Nachdem Xavier Dorison als Co-Autor bereits nach dem ersten Band ausgestiegen war, dauerte es ganze drei Jahre, bis Lauffray den zweiten fertigstellen konnte. Bis zum dritten Album vergingen weitere zwei Jahre. Das vierte und letzte lässt nunmehr seit 2005 auf sich warten.

 

Nicht minder beschwerlich war es für den deutschen Leser, an das Werk zu kommen. Zwar gab es eine deutschsprachige Ausgabe der ersten beiden Bände beim niederländischen Arboris Verlag. Des vollständigen, freilich noch unabgeschlossenen Fantasy-Comics um einen arroganten Professor hat sich aber erst im vergangenen Jahr der in Bielefeld beheimatete Splitter Verlag angenommen.

 

Hochmut des Karrieristen

Eigentlich könnte sich Professor Jack Stanton glücklich schätzen. Er ist jung und gut aussehend, nennt ein schnelles Auto und eine schicke Appartementwohnung in Manhattan sein Eigen und hat eine steile Karriere als Archäologe vor sich. Für Jack ist dies jedoch eine Selbstverständlichkeit. Nach seinem Dafürhalten hat er sich das alles redlich verdient. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall, und dieser führt bei Stanton umso tiefer hinab.

 

Auf der Rückfahrt von einem Interview stürzt er durch Raum und Zeit. Nach dem Aufprall liegt sein geliebtes New York als Geisterstadt vor ihm. Die letzten Überlebenden der menschlichen Zivilisation halten den Professor für einen Propheten, der sie aus dem Unheil führen soll. Jack Stanton wähnt sich in der Zukunft. Wie sich herausstellt, ist Jacks Gier nach beruflicher Anerkennung für die Katastrophe verantwortlich. Durch seine jüngste Entdeckung im Himalaja setzte er Mächte frei, die besser für immer geruht hätten.

 

Neu ist dieser Plot um einen hochmütigen Karrieristen, den erst ein Schicksalsschlag zur Räson bringt, keineswegs. Auch die Figur des Erlösers wider Willen kennt man bereits. Dennoch ist die Geschichte solide erzählt. Den Kritikern, die nicht müde werden, Mathieu Lauffray das schriftstellerische Talent abzusprechen, muss entgegengehalten werden, dass der zweite Band deutlich besser erzählt ist. Der erste, an dem Xavier Dorison noch mitschrieb, wirkt hingegen häufig fahrig und unentschlossen, in welche Richtung er letztendlich steuern will.

 

Versuchungen eines Zeichners

Mag die Story also nicht gerade jeden Leser aus dem Ohrensessel hauen, so lohnt sich Prophet für den Betrachter allemal. Bereits hier blitzt Mathieu Lauffrays Talent für Farbgebung und Lichtstimmungen auf, wenn sich ein ums andere Mal die Hitze der Großstadt auf den Fassaden der Gebäude oder den Gesichtern der Passanten spiegelt. Ein Highlight sind die Bilder, die der Zeichner für die (Post-)Apokalypse findet, wenn etwa ein Öltanker in den Häuserschluchten versinkt oder ein von Pflanzen umrankter Times Square vor Jacks Auge auftaucht. Gekonnt setzt Lauffray seine schaurig-schönen Visionen immer wieder in Splash-Panels in Szene. Im Gegensatz zu späteren Arbeiten ist seine Linienführung jedoch glatter, nur hie und da mit Schraffuren versehen.

 

Von der Versuchung, der Schönheit dieser Bilder zu erliegen, schreibt Mathieu Lauffray im Anhang: »Im Comic ist eine Zeichnung erst schön, wenn sie im Rahmen einer guten Geschichte richtig platziert ist. Ohne dies ist sie häufig nur ein schmückendes Element, das zwar spektakulär, aber im Grunde unnütz ist«, steht dort zu lesen. Dem ist widerspruchslos beizupflichten. Angesichts der zwar soliden, aber etwas dünnen Story hätte man sich der »unnützen« Bildern noch ein paar mehr gewünscht. Ob sich die Geschichte noch einmal dahingehend wendet, dass sie der typischen postapokalyptischen Erlöserfigur neue Facetten abgewinnt, bleibt abzuwarten. Auf die Zeichnungen kann sich der Leser auf alle Fälle schon jetzt freuen.


Flattr this

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Kind sein, der moderne Vollzeitjob

Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...