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Freitag, 25. Mai 2012 | 15:30

Spring No.7 - Happy Ending

23.12.2010

760 Gramm Happy Ending

Die Künstlerinnengruppe Spring hat sich in ihrem jüngsten Sammelband mit dem Titel Happy Ending des heiligsten Kalbs von Hollywood angenommen und ein delikates Buffet daraus gezaubert. PETER KLEMENT hat sich mit kunsthistorischer Unterstützung über die Leckereien hergemacht.

 

Ungefähr 760 Gramm wiegt eine Ausgabe von Spring No.7. Mit den unverzichtbaren gelben Haftnotizen, die gebraucht werden, um der künstlerischen Vielfalt Herr zu werden, die einen auf den 252 Seiten erwartet, sind es sogar 764 Gramm. Die Bandbreite erstreckt sich vom Häppchen, über den altehrwürdigen Mettigel hin zu eher exotischen Kreationen, denen ohne kunsthistorische Hummerzange nicht beizukommen ist. Auf künstlerischer Ebene muss man zwar gelegentlich zum Operationsbesteck greifen, als Ausgleich besitzt der Band englische Untertitel und kann daher auch dem internationalen Freundeskreis empfohlen werden.

 

Den Sampler bitte ...

Jede der fünfzehn Künstlerinnen hat einen eigenen Stil und eine eigene – gelegentlich eigenwillige – Sicht auf das Thema Happy Ending, das den Rahmen des Sammelbandes bildet.  Auf Art Déco und Kubismus wird zurückgegriffen, aber auch auf papiers découpées oder Radierungen. Die Künstlerinnen präsentieren mehrseitige Geschichten, kurze Szenen und Einzelbilder.

 

Happy Ending lädt nicht zum Lesen, sondern zum Blättern und Betrachten ein. Es ist ein Sampler, daher sind die Unterschiede in Arbeitsweisen und Perspektiven erheblich. Freunde der Kohärenz kann das enttäuschen, denn das einzige, was sich durch den Band zieht, ist das Thema Happy Ending – es hat sich sogar ein Unhappy Ending eingeschlichen.

 

Was der Bauer nicht kennt ...

... frisst er nicht, zumindest nicht gleich. Erst wird daran gerochen und mit der Gabel vorsichtig gepiekst, bis am Ende doch die Neugier siegt. Spring No.7 steckt voller interessanter Perspektiven, auf die man sich aber einlassen muss.

 

Denn einige der Beiträge bewegen sich weit jenseits dessen, was man mit dem schnöden Besteck des Allgemeinwissens auseinander bekommt. Katia Fouquets The Prospect of Immortality und Elusis von Almuth Ertl gehören nicht zur leichten Kost und erfordern den Griff zur erklärenden Literatur oder wenigsten den Gang zu Google.

 

Das Auge isst mit ...

Völlig unabhängig davon, ob man sich den Sinn der Beiträge erschließen kann, schön anzusehen sind sie alle. Durch die verschiedenen Arbeitstechniken der Künstlerinnen wird vermieden, dass man sich satt sieht und die Seiten lieblos überblättert.

 

Desperado von Anne Vagt beispielsweise zeigt ein unfertiges Kunstwerk, das durch seine Ausstreichungen und flüchtigen Striche einige Aufmerksamkeit fordert. Die erwähnten schwierigen Beiträge werden abgelöst von heiteren Zwischenspielen wie Im Herzen der Wälder von Barbara Yelin und Weiter, Los! von Ulli Lust.

 

Besonders gefällt der Beitrag von Nora Krug, die die Geschichte eines »gescheiterten« Kamikaze-Piloten erzählt, der nur knapp der Vernichtung von Hiroshima entgeht. Die auf einer tatsächlichen Biographie basierende Erzählung wird über eine Collage von Fotografien und Zeichnungen realisiert. Die Erzählung pendelt zwischen der fast märchenhaften Gestaltung von Zeichnung und Sprache auf der einen Seite und der harten Kriegsrealität der Fotografien auf der anderen - so ruft sie immer wieder ins Gedächtnis, dass es sich hier eben nicht »nur« um eine Geschichte handelt.

 

Einmal mit alles und scharf

Wer künstlerisch interessiert ist und noch dazu von der Neunten Kunst begeistert, der wird an Spring No.7 Happy Ending lange Freude haben und sollte eventuell zu den vorherigen Bänden greifen, wie beispielsweise SPRING No.6 Crime. Feinschmecker unterschiedlichster Couleur können etwas nach ihrem Geschmack finden und das  zu einem günstigen Preis: Lediglich magere 14 Euro kostet der bescheiden als Heft beworbene Band.

 

Wer sich also circa vier Mal den – ohnehin ungesunden – Gang zum Fastfoodverkäufer spart, der kann Happy Ending sein Eigen nennen und tut obendrein Körper und Geist Gutes. Als zusätzlicher Bonus fällt der Band im Regal auf und man kann wunderbar damit angeben, auch vor internationalem Publikum.

 

 

Anmerkung:

Mit einem besonderen Dank an Christina Snopko für Klebezettel und kunsthistorische Erklärungen.

 

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Danke für den tollen Text - was in Wuppertal alles so passiert! Aber ich frage mich, ist das jetzt mehr Kunst oder Comic?
| von mig, 24.12.2010
Hi! Ist der Text ironisch gmeint? Man muss zur "erklärenden Literatur" greifen oder wenigstens zu "google"? Auf "künstlerischer Ebene muss man zum Operationsbesteck greifen", hat aber "zum Ausgleich englische Untertitel"? Da muss ich fragen: Was Bedeutung von dieses? Wenn man es auf deutsch nicht versteht, kann man es als Ausgleich auf englisch lesen? Diese Leistung kompensiert dann das mangelnde Kunstverständnis? Welche der Beiträge sind die Mett-Igel? Bist du in einen Methaper-Eintopf gefallen? Viele Grüße von Sabrina
| von Sabrinati, 24.12.2010
@Sabrina: Ich finde das unfair, der Autor zeigt uns doch nur, wie anspruchsvoll die Kunst von Spring ist, weil er hat sich eben bemühen müssen. Und das ist doch toll, denn große Kunst ist immer schwierig, oder? Also, ich finde, dass ist ein tolles Kompliment an die Künstlerinnen aus Wuppertal!
| von mig, 25.12.2010
Sorry mig, aber so wie der Text geschrieben ist, kann ich ihn nur so auffassen, das der Autor sich lustig über das Heft und die Zeichner macht! Und das ist unfair! Kauf dir doch ersmtal ein Spring, bevor du blöde Fragen stellt mig und schau dir das Heft an, dann kannste beurteilen ob das Kusnt ist oder Comic. Obwohl ich persönlich diese Unterscheidung doof finde denn auf hohen Niveau ist alles Kunst. Ich hab eine Ausgabe von Spring zuhause und finde das Lustigmachen unfair. Ich würd gern mal hören, was der Autor dazu sagt!!
| von Sabrinati, 25.12.2010
In den Metapher-Topf gefallen bin ich tatsächlich und zwar schon als Kind. Lustig mache ich mich über SPRING auf keinen Fall, das mit dem Ausgleich ist tatsächlich doof und sollte raus. Ich finde es wirklich toll, dass er zweisprachig ist, weil ich ihn dann tatsächlich englischsprachigen Bekannnten empfehlen kann. Ich hab den Band lang in meinem Rucksack rumgetragen und verschiedenen Leuten gezeigt, da ich ratlos war, was ich denn nun dazu schreiben sollte. Denn so meine Ecke war es wirklich nicht und ich musste mich tatsächlich schlau machen und eben den Gang zu Google antreten und die am Ende erwähnte Dame um Unterstützung in Sachen Kunst bitten. Nachdem ich einiges erklärt bekommen habe und dazu recherchieren konnte wusste ich den Band mehr zu schätzen und lege es daher jedem anderen auch ans Herz. Was der Mettigel ist, wird nicht verraten und ich finde Mettigel putzig. Vielen Dank für das Feedback beiderseits. Die Kritik werde ich mir merken und das nächste Mal sorgfältiger Korrekturlesen...oder mehr oder minder Freiwillige dafür finden. Peter Klement
| von Peter Klement, 25.12.2010
Danke Herr Klement für die schnelle Antwort!! Jetzt versthee ich besser. Ich wollte noch fragen, was Sie von moki und Clair Lenkowa halten. Ich habe nämlich Spring Special Places und Verbrechen und finde das zu "vielKunst", aber die beiden nicht schlecht, bsonders moki. Oder finden Sie Comics im Heft schlechter oder nicht passend zu den Kunst Beiträgen? Sind Comics nur "heitre Zwischenspiele"? Sorry für die vielen Fragen!!! viele Grüße Sabrina
| von Sabrinati, 26.12.2010
Die Formalitäten können wir - denke ich - beiseite lassen ;). Comics und Kunst sind für mich keine separaten Begriffe, sonder Comics SIND Kunst. "Heitere Zwischenspiele" ist kein abwertender Begriff, es sind eben heitere Zwischenspiele, die einen schmunzeln lassen, während das bei anderen Beiträgen nicht der Fall ist. Die vorherigen Bände habe ich leider - noch - nicht. Den Beitrag von Claire Lenkowa fand ich witzig und interessant gemacht, zu moki kann ich gerade nichts sagen, da ich den Band gerade nicht zur Hand habe. Ich hoffe das beantwortet einige Fragen
| von Peter Klement, 05.01.2011
Danke für den Artikel über Spring. Wenn du jetzt noch meinen Namen richtig schreibst, Herr Peter, dann schick ich dir den Band mit moki ;-)
| von claire, 13.02.2011
Und schon korrigiert, liebe Frau Lenkova! Jetzt darf sich Herr Klement wohl auf die Post freuen ... Es grüßt
| von Die Redaktion, 14.02.2011

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