,,Das einzige, was ich bedaure, ist, keine Comics gezeichnet zu haben." (Pablo Picasso)
Der kreative Strom, der seit einem dreiviertel Jahrhundert aus den Federn der Autoren und Zeichner fließt, pulsiert in allen Schichten der modernen Kultur und Gesellschaft. Anfang der Neunziger lieft die alte Batman-Serie im Fernsehen. Wer gerade erst soviel lesen konnte, dass es für die „Zack“ - „Crush!“- und „Kawoom!“- Bubbles reichte, bekam einen Begriff von unfreiwilliger Komik und Selbstironie. Batman surfte in Badehose und Maske gegen den Joker auf einem Bat-Surfbrett mit dem Bat-Symbol. „Egghead“ Vincent Price fand es „egg-zellent“ Sachen „eggs-plodieren“ zu lassen. Höhepunkt der erotischen „Egg-zesse“ war Catwoman, die ihre Wange an die Batmans schmiegte – selbstverständlich, nachdem sie um Erlaubnis gebeten hatte.
Die einzige originale Superheldin des Goldenen Zeitalters entstand während des Zweiten Weltkriegs. Trotz ihres knappen Kostüms sah Wonder Woamn aber nie richtig sexy aus und war so lieb, dass kein Erzfeind sie bekämpfte. Das wahre feminine Pendant des Superhelden ist die Superschurkin. Wie er lebt sie ein geheimes Doppelleben mit bürgerlicher Existenz, hat eine schicksalhafte Vergangenheit und einen Erzfeind – den Helden. Dass selbst die nicht unbesiegbar waren, bekam DC Comics nach Kriegsende zu spüren. Schwindendes Interesse der Leser begleitete den Niedergang der Comics, welchen die Titel der Kapitel nachzeichnen. Nach dem silbernen und bronzenen Zeitalter umfing Mitte der Achtziger bis Ende der Neunziger ein zweites dunkles Zeitalter die DC Comics. Vielleicht war es diese Untergangsstimmung, der die pessimistischen und zynischeren Comicerzählungen der neunziger Jahre entsprangen. Die bis heute währende Moderne Ära markiert die Renaissance der DC Comics. Die über 700 Seiten des riesigen Sonderbandes wecken Vorfreude auf das Geschenk, das Paul Levitz den DC Comics und ihren Fans vielleicht zum 100. macht.
In einem einzigen Band den fiktionalen Charakteren gerecht zu werden sei unmöglich, schreibt Paul Levitz in seinem Vorwort. Mehr als 2.000 Abbildungen, 720 Seiten und ein riesiges Format reichen nicht aus, um 75 Years of DC Comics zu bündeln. Wie der Titelheld auf einer Illustration sprengt die schiere Kraft des Werks alle Ketten, auch jene des Einbands. Diese winzige Schwachstelle macht erst den Satz wahr, der sich permanent aufdrängt: Dieses Buch ist wie Superman. Auch Superman kann nicht alles. Aber er kommt dem verdammt nah.

