Exilliteratur
Es ist ja kein Geheimnis, dass es um den deutschen Comic recht lange eher düster bestellt war. Wer als Deutscher bis in die achtziger Jahre ernsthaft Bildergeschichten erzählen wollte, der musste den Weg über das Ausland nehmen. Da sich mit Comics nicht all zu viel Geld verdienen lässt, gingen nur wenige diesen Weg. Der eine Comic-Künstler, der in der franko-belgischen Bande Dessinée-Szene auf sich aufmerksam machen konnte und den man kennen muss, ist Matthias Schultheiss. Andréas, mit bürgerlichem Namen Andreas Mertens, ist der andere.
An der Kunstakademie Saint Luc in Brüssel ausgebildet, wurde Mertens von Eddy Paape entdeckt und veröffentlichte mit diesem und Duchâteau 1976 seinen ersten Comic Udolfo. Wirklich bekannt wurde Andréas jedoch erst durch seine Reihen Rork (1978-1993) und Capricorne (seit 1997), die dennoch nur teilweise auf Deutsch erschienen sind. Mit Quintos, im Original aus dem Jahr 2006, liegt nun immerhin ein einzelner, abgeschlossener Comic von Andréas in seiner Muttersprache vor.
Innerhalb seiner Edition Solitaire hat Finix Comics eine wunderschöne Ausgabe von Quintos vorgelegt, die durch hervorragende Papier- und Bildqualität sowie durch reiches Bonusmaterial überzeugt: Im Anhang des Bandes finden sich ein Interview mit Andréas, eine (fast zu) umfangreiche Biographie und viele Skizzen, sowohl in Bleistift als auch in Farbe. Dass die Edition dabei auf eine geringe Stückzahl von nur 1500 Exemplaren begrenzt ist, gibt der Sache eine gewisse Aura der Exklusivität, die für den Sammler noch einen weiteren Anreiz darstellt.