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Freitag, 25. Mai 2012 | 19:51

David Petersen: Mouse Guard - Winter 1152

03.02.2011

To a Mouse

David Petersen ist mit Winter 1152 eine gelungene Fortsetzung seiner Mouse Guard-Saga geglückt. Trotz des winterlichen Settings wird's MATTHIAS ROSS bei dem ungewöhnlichen Comic nicht nur ganz warm ums Herz, er wird sogar poetisch.

 

Im Winter des Jahres 1152 ist es bitterkalt in den Ländereien der Mäuse. Immer noch kämpft man in Lockhaven mit den Folgen des Bürgerkrieges. Lebensmittel und Medizin sind knapp, und offensichtlich gibt es Saboteure in den eigenen Reihen, die immer noch dem Bösewicht Midnight die Treue halten. Ein Trupp Mauswächter um Lieam und Celanawe wird ausgesandt, die Verbündeten um Hilfe zu bitten. Doch die Reise durch den aufkommenden Schneesturm ist schwer, hungrige Eulen, Wiesel und viele andere Gefahren lauern auf die kleinen Mäuse ...

 

Wee, sleekit, cow´rin, tim´rous beastie / O, what a panic´s in thy breastie!

Fantasy ist ein Genre, das von der Überhöhung lebt. Es zelebriert das Überlebensgroße, das Heroische. Mit den Mitteln der Fantasy ausgerechnet eine Geschichte über Mäuse zu erzählen... das überrascht, gelinde gesagt. Darüber hinaus meidet Petersen auch noch die genretypische epische Breite der Bilder: Mouse Guard kommt in einem exakt quadratischen Format daher, sechs Zoll breit und hoch. Und das in einer Zeit, in der sich sogar das annähernd quadratische Bildformat eines Fernsehers zum Widescreen gemausert hat.

 

Dennoch ist dies keine Parodie. Im Gegenteil, wenn Mouse Guard: Winter 1152 eines nicht ist, dann lustig. David Petersen erzählt mit großem Ernst seine Geschichte einer mittelalterlichen Mäusegesellschaft, die um ihr Überleben kämpfen muss. Für den ersten Band Mouse Guard: Herbst 1152 gewann Petersen noch den Eisner Award für den besten Kinder-Comic 2008; die düstere Fortsetzung hingegen ist beim besten Willen keine Kindergeschichte mehr. Zu komplex ist die Handlung, zu detailliert die Charakterzeichnung des Figurenpersonals und zu brutal das Geschehen.

 

Thy poor, earth born companion / An´ fellow mortal!

Petersen, der sowohl Autor als auch Zeichner der Mouse Guard-Saga ist, verzichtet völlig auf die in Comics übliche Anthropomorphisierung von tierischen Protagonisten. Die Mäuse in Mouse Guard sind keine Mickey Mäuse, sondern sehen aus wie richtige Nager. Damit einher geht allerdings, dass der Mimik der Helden nur sehr begrenzte Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Doch dies nimmt Petersen einer größeren Authentizität zuliebe in Kauf. Es stört auch kaum; Petersen fängt die Beschränkung einerseits durch sein erzählerisches Geschick, andererseits aber auch durch eine expressive und dennoch natürlich wirkende Körpersprache der Figuren auf, so dass ein emotionaler Zugang stets möglich bleibt.

 

But Mousie, thou art no thy lane, In proving foresight may be vain: The best-laid schemes o´ mice an´ men Gang aft agley

Das hochgradig realistische Artwork von Petersen bleibt stets nah an seinen Helden und nimmt somit quasi die Perspektive der Mäuse ein. Dieser Kniff schafft Bilder, die man so zuvor nicht gesehen hat: Noch nie sah eine Eule so überlebensgroß und bedrohlich aus wie in Winter 1152, niemals wirkte ein Kampf mit ihr so gefährlich und geradezu apokalyptisch. Um so heroischer wirken die Heldentaten der kleinen Mäuse, die den Widrigkeiten der Natur trotzen müssen.

 

Der Verdacht liegt nah, dass die Mäuse Petersen als eine Metapher dienen für den Menschen, wie in dem Gedicht To A Mouse des schottischen Nationaldichters Robert Burns, dem auch die hier entnommenen Zitate entstammen: Der Mensch mag zwar Pläne schmieden und Vorkehrungen treffen, um sich gegen alle möglichen Widrigkeiten zu wappnen, doch wird er mit den Urgewalten der Natur konfrontiert, ist er machtlos wie eine Maus. So ist Mouse Guard: Winter 1152 ein Comic der jedem etwas bietet: vom actionliebenden Comic-Afficionado bis hin zum kopflastigen Literaturstudenten, der sich auch nicht zu schade ist, eine kleine Geschichte einfach einmal hemmungslos überzuinterpretieren.

 

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