Collagenpunk
Das Artwork von Bá und die Kolorierungen von Dave Stewart passen wie der Ellbogen ins Krakenauge: Die Graphic Novel glänzt mit leuchtenden Farben und Figurenentwürfen, die mit gekonnter Überzeichnung und Liebe zum Detail die Sehnerven fast überfordern. The Umbrella Academy ist Pop-Art, die ihresgleichen sucht und mühelos mit überladenen Panelen und geschickter Simplifizierung jongliert.
Bild und Text ergänzen sich gegenseitig darin, die LeserInnen mit feingliedrigen, fast schon musikvideoartigen Panelsequenzen an die Graphic Novel zu fesseln. Die Bildkomposition füllt den vorhandenen Platz bis zum Bersten und kombiniert auf jeder Seite die Anordnung und Einstellungsgröße der Panels neu, so dass der reißende Erzählfluss nie zum stillen Wasser wird.
The Umbrella Academy kombiniert das Superheldengenre mit Elementen aus Steam- und Cyberpunk, wirft noch eine Prise Phantastik dazu und verpackt es in farbgewaltigen Panels im Sekundenschnitt eines MTV-Clips. Ein gewagtes Experiment, das jeden Augenblick an seiner unglaublichen Dichte an Bildern und dem enormen Erzähltempo zu zerbrechen droht. Man muss den Hut ziehen vor der künstlerischen Begabung und dem überbordenden Ideenreichtum der Autoren, die hier einen echten und für den Rezensenten völlig unerwarteten Meilenstein der Neunten Kunst gezaubert haben.
Der Postmoderne wird viel angekreidet: Die Auflösung klarer Erzählstrukturen, das Zusammenflicken und zwanghafte Aufpeppen von Altbekanntem, so dass ein Mindfuck-Gangsterepos in den unendlichen Weiten des Alls mit Elementen des späten Disneyfilms in 3-D niemanden wirklich wundert. Wenn die Auflösung allerdings auf so hohem Niveau wie in The Umbrella Academy betrieben wird, bitte mehr davon – und mit extra Zucker.
