Mit Castro beschreitet der Berliner Künstler Reinhard Kleist in gleich zweifacher Hinsicht bekannte Wege: Nach seinem vielfach preisgekrönten Band Cash. I see a darkness (2006) präsentiert er seine nunmehr zweite Comic-Biographie, dieses Mal gewidmet dem besagten kubanischen Revolutionsführer. Als flankierende Vorstudie könnte man zudem sein 2008 veröffentlichtes Comic-Tagebuch Havanna betrachten, in dem Kleist in Gestalt kleiner Portraits, Reflexionen und Impressionen seine Reise in die kubanische Hauptstadt dokumentiert.
In zu großen Teilen chronologischer Form samt Literaturapparat im Anhang zeichnet der Plot die Entwicklung Castros vom Widerstandskämpfer zum Staatsoberhaupt nach, beschränkt auf den Zeitraum des bewaffneten Kampfes bis zur Machtkonsolidierung und den sich anschließenden politischen Konflikten von welthistorischem Ausmaß. Als vermittelnde Instanz fungiert der fiktive deutsche Journalist Karl Mertens, aus dessen Perspektive die Figur Castro konturiert wird. Gleichfalls dient dieses Verfahren dazu, den Mythos Castro zu bannen – mit allerdings ambivalentem Ergebnis.
Denn auf der einen Seite ist Mertens die Rückversicherung, den aufgearbeiteten Wissensbestand nicht als Konstruktionsleistung zu vergessen. Durch ihn wird die Akribie der Fakten narrativ übersetzt, wie sich zugleich an ihm beweist, welche Wirkungen der politische und soziale Wandel in der Bevölkerung zeitigt. Die Aufbruchsstimmung der Revolutionszeit weicht einem repressiven Elend, das sich im Großen als struktureller Prozess ausdrückt, sozusagen als große Gewalt der Geschichte mit ihrem linearen Verlauf, und im Kleinen als individuelles Schicksal, in dem sich die Gewalt der Geschichte niederschlägt. Im Sinne eines chronologischen Verlaufs mag dies eine probate Methode sein. Die entscheidenden historischen Ereignisse sind berücksichtigt, die wechselhafte Entwicklung Kubas ist akkurat zusammengefasst.