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Freitag, 25. Mai 2012 | 19:55

Hank Williams: Lost Highway

14.04.2011

Ein deftiges Jambalaya

Hank Williams, ein Mann, eine Legende. Søren Glosimodt Mosdal hat in Hank Williams: Lost Highway den letzten Auftritt des Countrysängers in Bilder und Worte gefasst. DANIEL WÜLLNER betrachtet den finalen Road Trip von der Rückbank aus.

 

Derzeit füllen sogenannte »Biopics« die Kinosäle und enthüllen vor unseren Augen jede noch so kleine Eigenheit jeder noch so unwichtigen Persönlichkeit. Im Comic hingegen kommt es auf die Kunst der Reduktion an. Man muss mit dem Platz sehr sparsam umgehen und sich genau überlegen, wessen Vita wie umgesetzt werden soll. Um das Leben von Hank Williams auf nur 64 Seiten darzustellen, hat sich Søren Glosimodt Mosdal auf das Ableben des Sängers im Jahr 1952 konzentriert.

 

Erzählerische Ambivalenz

Gerade weil der Comic nicht das gesamte Leben und Werk von Hank Williams enzyklopädisch beleuchtet, bleibt dem Leser genug Freiraum, um sich seinen eigenen Reim auf die Geschehnisse zu machen. Was genau passierte in der Nacht, als Williams starb? Der Sänger wurde von dem 19jährigen Ersatzfahrer Charles Carr von Tennessee nach Ohio gefahren, um dort an einem Konzert teilzunehmen. Am nächsten Morgen kam Carr nur mit der leblosen Hülle von Williams an. Eingebettet in diesen Augenzeugenbericht lässt Mosdal Episoden aus dem Leben des Countrysängers noch einmal Revue passieren.

 

Carrs Beschreibungen dieser Nacht, die gleichzeitig die Vorlage für den Comic waren, lesen sich wie ein kreolischer Eintopf, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem Jamabalaya vermischen. Nachdem der unreliable narrator im Schneesturm von der Straße abkommt, trifft er auf seinen Ausflügen ins Unterbewusste Figuren aus Williams' Vergangenheit. Die Zutaten für dieses Jambalaya sind die Erinnerungen an ein kurzes, aber rasantes Musikerleben: Figuren aus seinen Songs stehen gleichberechtigt neben realen Persönlichkeiten und imaginären Wesen. Die einzelnen Kapitel vermischen so bewusst Realität und Fiktion.

 

Grafische Stringenz

Während die Realität im Comic nur an einem seidenen Faden hängt, wird die Kontinuität durch die grafische Stringenz erzeugt. Von einem Panel zum nächsten schlägt alles in Fiktion um und nur die grafische Ebene bietet dem Leser Halt. So gelingt es Mosdal, das atemlose Hin und Her von Williams' unbändiger Musik darzustellen und in einer kohärenten Geschichte einzufangen.

 

Mosdals eckiger und kantiger Zeichenstil besitzt aber noch eine weitere Eigenart: Während der Künstler den Sänger aus sicherer Entfernung auf der Rückbank zeigt, sieht sein Antlitz stets fröhlich und vergnügt aus: Williams als Lebemann. Geht Mosdal bei seiner Darstellung jedoch näher an die Gesichter der Figuren heran, so offenbaren sich für einen Augenblick ihre traurigen Gesichtszüge: Williams als Trinker. Im nächsten Panel ist die heitere Fassade wieder errichtet.

 

Hank Williams: Lost Highway ist ein Comic, der vor allem von seiner erzählerischen Ambivalenz lebt. Denn was wirklich in dieser letzten Nacht passiert ist, bleibt offen. Mosdal nutzt die Eigenheit der Erzählform Comic – die Uneindeutigkeit der Bilderreihe – voll für seine Zwecke aus und porträrtiert das Leben eines Musikers, der sich zeit seines Lebens allen Definitionen zu entziehen vermochte. Für alle diejenigen, die anschließend aber doch wissen möchten, was denn so alles in dem kreolischen Eintopf war, erläutert Musik-Journalist Franz Dobler im Nachwort sowohl erhellend als auch kritisch alle verwendeten Figuren und Ereignisse.

 

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