Grafische Stringenz
Während die Realität im Comic nur an einem seidenen Faden hängt, wird die Kontinuität durch die grafische Stringenz erzeugt. Von einem Panel zum nächsten schlägt alles in Fiktion um und nur die grafische Ebene bietet dem Leser Halt. So gelingt es Mosdal, das atemlose Hin und Her von Williams' unbändiger Musik darzustellen und in einer kohärenten Geschichte einzufangen.
Mosdals eckiger und kantiger Zeichenstil besitzt aber noch eine weitere Eigenart: Während der Künstler den Sänger aus sicherer Entfernung auf der Rückbank zeigt, sieht sein Antlitz stets fröhlich und vergnügt aus: Williams als Lebemann. Geht Mosdal bei seiner Darstellung jedoch näher an die Gesichter der Figuren heran, so offenbaren sich für einen Augenblick ihre traurigen Gesichtszüge: Williams als Trinker. Im nächsten Panel ist die heitere Fassade wieder errichtet.
Hank Williams: Lost Highway ist ein Comic, der vor allem von seiner erzählerischen Ambivalenz lebt. Denn was wirklich in dieser letzten Nacht passiert ist, bleibt offen. Mosdal nutzt die Eigenheit der Erzählform Comic – die Uneindeutigkeit der Bilderreihe – voll für seine Zwecke aus und porträrtiert das Leben eines Musikers, der sich zeit seines Lebens allen Definitionen zu entziehen vermochte. Für alle diejenigen, die anschließend aber doch wissen möchten, was denn so alles in dem kreolischen Eintopf war, erläutert Musik-Journalist Franz Dobler im Nachwort sowohl erhellend als auch kritisch alle verwendeten Figuren und Ereignisse.