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Freitag, 25. Mai 2012 | 19:56

Trondheim / Parme: Panik im Atlantik, Spirou + Fantasio Spezial 11

05.05.2011

SOS - Spirou in Seenot

Der aktuelle Band der Reihe Spirou-Spezial Panik im Atlantik begibt sich eher in seichtes Fahrwasser. Und das, obwohl er von Lewis Trondheim, einem der produktivsten und innovativsten Comic-Künstler Europas, verantwortet wird. Schiffbruch, wie manche vermuten, hat er damit dennoch nicht erlitten. Von CHRISTOPHER FRANZ

 

Dass Trondheim zu Recht als einer der führenden Vertreter des europäischen Comics gilt, beweist nicht nur die Vielzahl seiner Publikationen, sondern auch deren enorme inhaltliche Bandbreite, angefangen mit Comics für (Kleinst-)Kinder bis zu Werken des gehobenen Anspruchs. Zu seinen bekanntesten Schöpfungen zählt die zusammen mit Joann Sfar konzipierte Reihe Donjon. Ein Fantasyepos, geschaffen von einer Schar verschiedener Zeichner - neben Trondheim und Sfar sind Christophe Blain, Kerascoët, Manu Larcenet und viele andere mehr mit dabei -, und einer an Komplexität und Querverbindungen jetzt schon kaum mehr überschaubaren Zahl an einzelnen Alben. Nicht umsonst werden Überblicksprospekte mit Zeitleisten und Lesereihenfolgen, die den Kosmos erschließen sollen, dem Leser als Hilfestellung an die Hand gegeben.

 

Dass neben dem Anspruch im Werk Trondheims – als Mitbegründer des Verlags L'Association kommt er aus der Ecke, die den Comic explizit als ernsthaftes Medium versteht – auch die leichte Kost nicht zu kurz kommt, äußert sich in Arbeiten wie beispielsweise der Serie Der kleine Weihnachtsmann. Das ganze Œuvre Trondheims oszilliert somit ständig zwischen anspruchsvoller Unterhaltung und trivialem Spaß. Ähnliches gilt eigentlich auch für die Welt, die sich mittlerweile um die beiden Helden Spirou und Fantasio gebildet hat.

 

Wenn einer eine Reise tut ...

Die Geschichte des vorliegenden Albums ist schnell erzählt: Das Hotel Moustic, gewohnte Arbeitsstätte Spirous, wird von einem international agierenden Hotelkonzern übernommen und, wie sollte es auch anders sein, die neue Verwaltung will durch Personaleinsparungen und -verlagerungen die Kosten senken. So landet Spirou auf dem Ozeandampfer »Königin der Meere«. An Bord fehlen dürfen – neben Eichhörnchen Pips natürlich – weder Fantasio, als Reporter immer auf der Jagd nach einer brandaktuellen Story, noch der Graf von Rummelsdorf.

 

Letzterer begleitet die Kreuzfahrt als wissenschaftlicher Berater. Zum einem ist seit einigen Tagen der Kontakt zu dem Schwesterschiff der »Königin der Meere« abgerissen, zum anderen ist das Schiff mit einem neuartigen Kollisionsschutz ausgestattet, welcher bei Berührung mit einem festen Gegenstand – vielleicht einem Eisberg? – sofort ein Kraftfeld aktiviert, das eine Blase um das Schiff aufploppen und es vermeintlich unsinkbar werden lässt. Dass dem tatsächlich nicht so ist, wird sehr schnell klar und so sitzen bald alle geschützt und dennoch unrettbar verloren auf dem Grund des Meeres fest, mit allem was dazu gehört: Massenpanik, Meuterei, Essensknappheit und Eskapaden. Klar, dass nur Spirou da helfen kann …

 

© Carlsen Verlag © Carlsen Verlag

... dann kann er was entdecken

Eine zwar nicht überragende, aber sehr wohl solide Geschichte also mit spannendem Inhalt und ungewöhnlichen Nebencharakteren, witzig erzählt und durch die Bilder des Zeichners Fabrice Parme noch ein bisschen ulkiger. Dieser ist die eigentliche Entdeckung dieses Albums, wurde doch bisher keines seiner anderen Projekte, u.a. Le Roi Catastrophe, ebenfalls nach einem Szenario von Lewis Trondheim, auf Deutsch veröffentlicht. Einige Bekanntheit dürfte er hierzulande eher durch seine Arbeiten für Zeichentrickserien erlangt haben.

 

So erinnern seine Zeichnungen und Bildkompositionen auch mitunter an Bilder aus Trickfilmen, gepaart mit kindlicher Einfalt und einer guten Prise Slapstick. Diese bewusste Negation der zeichnerischen Perfektion, der Mut zur Infantilität, der besonders in den Gesichtsausdrücken der Figuren und den Dekors immer wieder in Erscheinung tritt, ist mutig und wunderbar erfrischend.

 

Panik im Atlantik kommt zwar bei weitem nicht an den Anspruch der vorhergehenden Bände der Spirou-Spezial-Reihe heran und will es auch gar nicht. Es wäre aber nicht angemessen, diesen fehlenden Tiefgang mit Ideenlosigkeit gleichzusetzen und das Album für gescheitert zu erklären. Trivialität ist nur gepaart mit Einfallslosigkeit und Langeweile schlecht. Und das ist hier garantiert nicht der Fall. Natürlich ist das, was dem Leser vorgesetzt wird, weder realistisch noch liegt es im Bereich des nur irgendwie Möglichen, aber mal ehrlich: Zyklostrahlen und Pilzexperimente sind das auch nicht unbedingt.

 

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