Die Wolken und der Strich
Man sollte sich weder von dem Außerirdischen noch von den auf den ersten Blick etwas unbeholfen wirkenden Zeichnungen abschrecken lassen. Aisha Franz zeichnet nur mit Bleistift, die Bilder wirken dadurch oft wenig ausgearbeitet und manchmal verschmiert. Außerdem scheinen die Gesichter ihrer Figuren eher Kinderhänden entsprungen zu sein. Aber schon nach wenigen Seiten wird deutlich, dass sie ihre Mittel genau zu wählen und einzusetzen weiß. So ähnlich sich die Gesichter der drei Hauptfiguren auch sehen mögen, so differenziert kann man von Bild zu Bild die Entwicklung ihrer Gefühle und Gedanken ablesen.
Viele Seiten haben ein festes Schema von drei mal vier Panels, daraus ergibt sich eine große Zahl kleiner Bilder, die Details und kleine Veränderungen genau zeigen – und außerdem die kleine, begrenzte Welt der Protagonistinnen spiegeln. Aber dieses Raster wird immer wieder aufgebrochen. Durch einzelne Bilder, die ganze Seiten ausfüllen oder randlos in ihre Mitte gesetzt sind. Und durch Bleistiftwolken, die offenbar die Kraft haben, die Randlinien zu überwinden: Zigarettenrauch, Abgasqualm, manchmal die Schallwellen eines Liedes. Kleine Ahnungen einer Utopie, die sich der Herrschaft des Strichs entgegenstellt, welche selbst eine harmlose Spielplatzwiese in ein Fakirbrett verwandeln kann.