Intermezzo
Der elfte Band ist eines von Mignolas berühmt-berüchtigten Zwischenspielen, in denen er Geschichten präsentiert, die mit dem Hauptplot wenig, gar nichts oder noch nichts zu tun haben – das kann man man nie so genau wissen. Die titelgebende Geschichte Der Krumme nimmt knapp die Hälfte des Bandes ein, die restlichen Seiten teilen sich fünf andere Geschichten über Piraten, Löcher im Boden und versehentlichen familiären Kannibalismus.
Vier verschiedene Zeichner, dazu Mignola und ein Kolorist (Dave Stewart) machen den Band extrem abwechslungsreich. Neben anerkannten Größen wie Richard Corben (Punisher: The End), Guy Davis und Duncan Fegredo - mit ihnen hat Mignola schon öfter zusammengearbeitet - kommt mit Jason Shawn Alexander auch ein weniger bekannter Künstler zum Zug.
Genauso unterschiedlich wie die Stile der Künstler sind die erzählten Geschichten: Der Krumme ist aktualisierte amerikanische Folklore mit lovecraftschen Untertönen. Die in Schiffen übers Meer fahren ist eine schön erzählte Geistergeschichte, in der der Pirat Blackbeard seinen Kopf sucht. In Die Kapelle von Moloch nutzt Mignola die Gelegenheit mit seinem Recherchefleiß anzugeben und so dem Leser Material für die nächste Cocktailparty der okkulten Art an die Hand zu geben. Schließlich ist es immer gut zu wissen, dass Bischof Zrinyi 1752 in Rumänien gegen die Karpatenziege kämpfte. Das Mal ist ein kleiner Ausflug in die Sphären des Mindfucks oder der Beat Generation, je nachdem wie man es hält. Wie Koschej unsterblich wurde und Baba Jagas Festmahl sind Adaptionen russischer Märchen, denen Mignola und der jeweilige Zeichner ihre eigene Note geben.