Gespensterreigen in Neongrün
Es tut sich aber auch eine neue Ebene auf, mit der man als Leser erst einmal nicht gerechnet hat. Damien, der Typ im Skelettkostüm, der auf den ersten Seiten von Band 1 das tragische Opfer eines dummen Unfalls wurde, meldet sich wieder zu Wort – aus dem Jenseits. Und da er – so viel sei verraten – nicht der Einzige sein wird, der im Verlauf der Geschichten sein Leben lassen muss, spuken nun also auch ein paar Gespenster durch den Comic. Während die Farbe Rot weiterhin für die Phantasien der Erzählerfiguren steht, wird den Gespenstern ein zu Damiens Kostümierung passendes Neongrün zugeordnet.
Zunächst einmal fühlt sich dieser neue Erzählstrang ganz organisch ein, schließlich erlaubt er uns auch, die Ereignisse vom Beginn des ersten Bandes noch einmal mit anderen Augen zu sehen. Nach und nach stellt sich aber etwas Verwirrung ein: Für einige sind die Toten unsichtbar, andere können ganz selbstverständlich mit ihnen kommunizieren; einerseits haben sie eine eigene Gedanken- und Gefühlswelt und agieren untereinander, andererseits scheinen sie sich aufzulösen, wenn sie in den Gedanken der Hinterbliebenen keinen Platz mehr finden.
Man weiß also nicht so genau, ob man die Toten nun als Hirngespinste der Lebenden oder als ruhelose, gemarterte Seelen verstehen soll. Man kann natürlich sagen, dass es darauf in so einer Geschichte nicht ankommt (so wenig, wie es letztlich für die Figuren einen Unterschied macht, ob sie tot oder lebendig sind), doch dafür war der Comic zu Anfang doch noch sehr konsequent in seiner Trennung von Realität und Phantasie.