Um ein authentisches Bild längst vergessener Tage zu rekonstruieren, bedienen sich Historiker nicht nur der Entschlüsselung von Symbolen und Bildern. Forscher untersuchen auch die Oberfläche, auf denen diese Überlieferungen festgehalten wurden. Es werden chemische Untersuchungen am Material durchgeführt – auch die einzelnen Farbpigmente werden mittels spektrometrischer Verfahren auf ihre Beschaffenheit hin analysiert. Tun wir einfach mal so, als wäre auch ein historischer Comic ein solches Zeitdokument und analysieren dementsprechend seine grafische Beschaffenheit.
Für das Imperium 1: Ehre ist ein Comic, der sich nicht damit zufrieden gibt, nur den historischen Stoff wiederzugeben. Vivès und Merwan nutzen das Gewebe selbst, um ihre Geschichte zu erzählen. Seit Frank Millers 300 wurden nur wenige Comics so von ihrer Ästhetik getragen. Doch im Gegensatz zu Millers harschen Schwarz-Weiß-Kontrasten versucht Vivès, seine Zeichnungen der Handlung und dem Setting anzupassen.
Das gelingt ihm so gut, dass man glaubt, jedes einzelne Panel so auf einer antiken Vase wiederzufinden zu können. Geschickt legt der Franzose mehrere Farbschichten übereinander, kombiniert Grundierungen mit farblichen Akzentuierungen und gibt den Figuren eine Zweidimensionalität, die durchbrochen werden will, um die Schwächen und Stärken der Charaktere zu ergründen.