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Freitag, 25. Mai 2012 | 19:57

Sokrates der Halbhund - Herakles

06.10.2011

Halb Köter, halb Philosoph

In Sokrates der Halbhund 1: Herakles philosophieren Joann Sfar und Christophe Blain ein bisschen vor sich hin, doch ein platonischer Dialog will sich zwischen den beiden nicht entwickeln. Von DANIEL WÜLLNER

 

Die Antike liefert uns viele Chimären. Den mächtigen Greif, den stolzen Zentaur und den Pöter. Was, Sie kennen den Pöter nicht? Was uns Mel Brooks in seinem aberwitzigen Film Spaceballs als "Möter" – halb Mensch, halb Köter – vorstellt, kannte man in der Antike bereits als Amalgam aus Philosoph und Köter, als einen Pöter eben. Die Serie Sokrates der Halbhund des Comic-Dream-Teams Christophe Blain und Joann Sfar startet mit einer weniger gelungenen Band über eben diese besserwisserische Chimäre.

 

Wenig Philosophie ...

Die derzeit angesagtesten französischen Comic-Künstler lassen hier den Pöter Sokrates im philosophischen Wettstreit - nach dem Modell der berühmten platonischen Dialoge - gegen diverse Gegner antreten.

 

Ihr Held folgt seinem Herrchen, dem Halbgott Herakles. Dessen Heldentaten treten dabei in den Hintergrund, sie werden nebensächlich. Zur Hauptsache wird Herakles' Interesse am anderen Geschlecht und wie er es für sich gewinnen kann. Anstatt die Ansichten des Herrchens - die wenig mit platonischen Beziehungen zu tun haben - im Wortgefecht zu hinterfragen, wird der beste Freund des Menschen zur reinen Reflektionsfläche für den Semi-Gott.

 

Dabei wäre doch die simple Panelstruktur von sechs identischen Bilderrahmen pro Seite perfekt für einen philosophischen Disput. Die Form könnte Freiraum für verbale Konter schaffen, für beissende Ironie und für aporia, die gedankliche Sackgasse, in die man den Kontrahenten verbal leiten möchte. Sokrates redet aber lieber mit dem Leser, stellt sich und sein Leben vor und erzählt ein bisschen von Herakles. Ein sehr einseitiger Dialog, da der Leser nicht anworten kann. Die paar wirklichen Streitgespräche, die nur auf zwei der 48 Seiten zwischen Sokrates und den Frauen stattfinden, zeigen, was es für Möglichkeiten gäbe.

 

... viel Köter

Obgleich Blain das Panellayout grafisch gelungen segmentiert und jeder einzelnen Seite ein farbliches Motto verpasst, hinkt der Dialog zwischen Zeichner und Autor. Viel zu präsent sind die Bilder, so dass für die Wortebene nur die Möglichkeit des begleitenden, ironischen Kommentars übrig bleibt. Andersherum beleuchten die Aktionen die Gespräche leider viel zu wenig.

 

Der Sprung vom einfachen Hund zur Philosophen-Chimäre gelingt zwar, doch bietet sich im ersten Band der Serie kein ebenbürtiger Gegner für den Pöter an. Vielleicht ist dies der Tatsache geschuldet, dass der Comic als Exposition gedacht ist. Bleibt zu hoffen, dass sich Odysseus und Ödipus in den Folgebänden von Sokrates der Halbhund als interessantere Gesprächspartner präsentieren.

 

 

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