Mief unter den Raumanzügen
Man muss keinen Hehl daraus machen, dass Luc Orient zunächst nichts anderes ist, als eine späte europäische Nachahmung von Flash Gordon, allerdings aus einer Zeit (der erste Band erschien 1967) als man sich die Naivität etwa von E.P. Jacobs Die U-Strahlen oder dem britischen Raumpiloten Dan Dare nicht mehr so ganz erlauben konnte.
Der Szenarist war also angehalten, die Existenz der auftauchenden Untiere wissenschaftlich zu "erklären" oder den Besuchern von einem fremden Planeten einen etwas anderen Stoffwechsel anzudichten. Dies sind dann auch die Passagen, in denen immer wieder originelle Ideen aufblitzen, die den Comic wie eine Zwischenstufe erscheinen lassen zwischen jener naiven SF, die einfach nur Kolportage war, und jener, die sich tatsächlich um eine Zukunftsvision bemüht (wie wenige Jahre später z.B. Valerian und Veronique).
Auf narrativer Ebene hat Greg allerdings zumindest in den ersten Bänden wenig Innovation zu bieten. Das Figurenpersonal ist so klassisch und eindimensional, dass es heute nur noch als Parodie durchgehen würde. Luc Orient ist angeblich ein Physiker, scheint jedoch allein für physische Herausforderungen zuständig zu sein: für Faustkämpfe, Schießereien und Verfolgungsjagden. Ansonsten gehört es zu seinen Aufgaben, gut auszusehen und leicht naiv zu sein, damit der geniale Doktor Kala einen Ansprechpartner hat, der seine Intelligenz herausstreicht.
Kala ist zwar genial genug, die Funktionsweise außerirdischer Technologie im Handumdrehen richtig zu erraten, dennoch ist unbändiger Forschergeist ihm weniger wichtig als moralische Integrität. Lora, die Frau im Bunde, hat lange Zeit weder Persönlichkeit noch narrative Funktion - außer ab und an in Gefahr zu geraten. Sie ist einfach nur da, damit eine hübsche Frau dabei ist, auch wenn weder Szenarist noch Zeichner wirklich viel mit ihr anfangen können. Mehr Bedeutung hat da noch Toba, der treue, turbantragende Orientale, der perfekte Diener, der immer zur Stelle ist und jeden Befehl ausführt.
Auf der anderen Seite der Gegenspieler Dr. Argos, der nicht nur böse ist, sondern mit spitzem Glatzkopf und schwarzem Cape (!) auch so aussieht. Hinzu kommen einfältige Eingeborene, sanfte Außerirdische und böse Diktatoren. Als moderner Leser kommt man bei aller Liebe nicht umhin zu bemerken, dass einem da doch ein gestandenes Maß an 50er-Jahre Mief entgegenweht.