Auch Zombiegeschichten brauchen lebendige Menschen
Das Setting ist also nicht die beginnende Apokalypse, sondern die Zeit ein paar Monate später, wenn die Menschen begonnen haben, sich zu organisieren und nach Wegen zu suchen, die Zivilisation neu aufzubauen. Auch das ist inzwischen nicht mehr neu, sondern in der vielbeachteten Serie The Walking Dead bereits ausführlich und mit großartiger psychologischer Tiefe erzählt worden.
Natürlich ist es unfair, ein Album vom 48 Seiten mit einer Serie zu vergleichen, die bereits ein Dutzend Sammelbände lang Zeit hatte, ihre Figuren auszuloten.Doch da die Stories sich inhaltlich so ähnlich sind, drängt sich der Vergleich doch auf, bei dem dann als erstes die Oberflächlichkeit der Figuren von Zombies negativ auffällt. Die Beziehung zwischen Sam und Josh beschränkt sich auf ein paar eher bemüht lockere Dialoge über Superhelden, und die Menschen auf den Booten halten eben, ohne größere Spannungen und Konflikte, einfach zusammen (was für eine Zomibegeschichte fast schon wieder ungewöhnlich ist).
Der Comic bemüht sich darum, möglichst viele Aspekte des Genres anzukratzen (die Rückkehr der Menschen aufs Wasser, die Suche nach einem Gegenmittel, mögliche Immunität einzelner Personen, die Versuche, in einer barbarischen Umwelt Zivilisation aufrecht zu erhalten, das Neuentstehen von Familienstrukturen) aber gerade deswegen bleibt es bei einem Ankratzen, und man hat immer das Gefühl, Bilder und Situationen vorgesetzt zu bekommen, die man als Fan des Genres alle schon einmal irgendwo (und meistens intensiver auserzählt) zu Gesicht bekommen hat.
Fatalerweise überträgt sich das auch auf die Schockmomente. Die sind zwar in einer guten Dosierung vorhanden, und man kann dem Autor Olivier Peru nicht vorwerfen, dass er sich nicht trauen würde, ab und an auch ein paar drastische Schritte zu wagen - aber selbst diese Gnadenlosigkeit hat bei The Walking Dead mehr gesessen, weil einem dort die Figuren wesentlich näher gingen.