Die Schuhe
„Heute Morgen saß mir in der Metro eine Frau gegenüber, die sich geschminkt hat. Das Gerüttel und Geschüttel des Wagens störte sie kein bisschen. Vermutlich macht sie diese Verrenkungen jeden Morgen. Ich dachte mir: „In ihrem Alter kann sie sich wohl kaum erlauben, ungeschminkt im Büro aufzukreuzen. Ihr Chef wäre nicht erfreut…“ Daraufhin sagte ich mir: „Eines Tages werde ich auch Stunden brauchen, um mich so zurecht zu machen, dass niemand gleich bemerkt, wie alt ich bin. Und das wird dann so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass ich wie sie gezwungen bin, mich in der Metro fertig zu schminken.“ Und in der Metro stinkt’s. Schließlich dachte ich: „Wenn früher irgendein Idiot einen Spruch über meinen Hintern oder meine Brüste gemacht hat, hätte ich ihn am liebsten erwürgt…“ Aber heute sagt niemand mehr irgendetwas über mich. Und das hat mir plötzlich Angst gemacht. Also habe ich mir diese Schuhe gekauft. Und sie haben ein Vermögen gekostet!“
Monsieur Jean sieht jedenfalls noch nicht alt aus und kostet nicht mal ein Vermögen. Reprodukt hat seit dem vierten Band die deutsche Version der Reihe von Salleck Publications übernommen und legt auch nach und nach die früheren Bände wieder auf – zum gleichen Preis wie vor 20 Jahren. An den neuen Bänden kann man auch gut sehen, wie die Schrift in den Sprechblasen zum graphischen Gesamteindruck beiträgt. Im Vergleich zu dem schönen neuen Lettering von Dirk Rehm wirkt der Computersatz der früheren Ausgaben fast wie ein Fremdkörper im Panel.
Die Schöpfer von Monsieur Jean, Philippe Dupuy und Charles Berberian, sind übrigens beide sowohl Szenaristen wie Zeichner. Das heißt, dass die Zeichnungen wohl mal von dem einen, mal von dem anderen stammen, ohne dass allerdings ein Unterschied zu erkennen wäre. Wie die Zusammenarbeit genau funktioniert, wird vermutlich ihr Geheimnis bleiben. Genauso wie der wirkliche Name ihres Helden. Oder heißt er tatsächlich Monsieur mit Vornamen?
