"Wo es Frauen gibt, sind ihre Männer nicht weit."
Gänzlich ausgemergelt durchquert Glorims Truppe das Dunkel des Waldes. Wie bereits im ersten Band bietet Vivès eine reichhaltige Farbpalette, die eng mit den Handlungsebenen verflochten ist: Aus den depressiven Braun- und Dunkeltönen der strapaziösen Reise treten die Männer in einen grünen, fruchtbaren Hain. Dort können sie ihren Hunger stillen, doch nicht ihr Verlangen. Selbiges wird durch die Konfrontation mit der ersten fremden Frau geweckt. Ihre Gelüste aktivieren aber auch ihre selbstgefällige Perspektive: "Wo es Frauen gibt, sind ihre Männer nicht weit."
Während Merwans Arbeit im ersten Band unmerklich in die Erschaffung des fiktiven Imperiums eingeflossen ist, tritt der Szenarist in Für das Imperium: Frauen deutlicher in Erscheinung. Seine Dialoge wirken lebendiger und sind herrlich doppeldeutig. Erst im Verlauf der Handlung entfalten sich scheinbar nebensächliche Anspielungen: Beteuern die tapferen Männer zunächst, dass ein Soldat sich nicht betören lasse, erliegen sie schon bald ihren Lüsten. Selbst Statum - von seinen Kollegen als "Eisblock" bezeichnet - schmilzt beim Anblick der stolzen rothaarigen Gefangenen schnell dahin. Vivès muss nach dem Hinweis seines Szenaristen nur noch ein paar Schweißtropen auf der Stirn des Kriegers applizieren, um die Situation zu komplettieren.
Die Suche nach den vermeintlich männlichen Gegnern endet tragisch. Noch bevor die Späher die Gefahr erkannt haben, wechselt Vivès von schillerndem Grün wieder zu erdigen Brauntönen. Genauso simpel wie die Farbgebung und genauso treffend gestalten die beiden Künstler die Metaphorik des Szenarios: Die Vorhut lässt sich in das offenstehende Dorf der Amazonen wie in eine Venusfliegenfalle locken. Über den bunten Kleidern der Amazonen vergessen die Männer ganz ihre Pflicht. Der Kampf der Geschlechter kann beginnen.