stammtisch neukölln
meine brüder, erbschaftslose heimlichtrinker
sind versorgt. aber welche wohlstandsdamen
werden ladenhüter trauen? – meinen antrag
nahm das amt an, kein altar, doch bargeld
gegen formulare, keine ehe, eher ringkampf:
künstlerpech. nachträglich wird ein pflegeheim
mir sterbehilfe leisten, grund sich gleich mit klaren
kalt zu machen: diese runde zahl ich. trinkt,
meine brüder, wer wird ladenhütern trauen?
Endlich mal keine Cover, auf denen nackte Frauenrücken in mattem Morgenlicht posen, keine feuchten Unterhosen, nein, es gibt sie noch, eine Dichtung aus den guten alten Ingredienzen Melancholie, Männerfreundschaft, einer Prise Anarchie und Restalkohol.
Clemens Kuhnert hat sich mit „tina“, der „teilzeitstewardess“, tief ins Whiskyglas vorgekämpft. Im „Freien Neukölln“ gehen fast die Lichter aus, da hebt der Meister an. Gegenüber schaufelt Stardöner noch müde im Salat: „der duft nach döner und nach warmem staub / weicht fischgerüchen aus den Hofeinfahrten, / durch gitterroste atmen schächte aus, als ob kanäle aufs gewitter warten.“