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Zum Tod des amerikanischen Kult-Autors Kurt Vonnegut

12.04.2007

Literarischer Prediger des Pazifismus

Am Mittwoch ist der leidenschaftliche Pazifist, Humanist und scharfzüngige Zyniker Kurt Vonnegut im Alter von 84 Jahren in New York gestorben.

 

Im Herbst 2002 versammelten sich im New Yorker Central Park einige zehntausend US-Bürger, um gegen den Irak-Krieg zu protestieren. Einer der prominentesten Demonstranten war der Schriftsteller Kurt Vonnegut, der mit seinem Roman Schlachthof 5 (1969) zu einer Ikone des amerikanischen Pazifismus geworden war.

„Als ich Vonneguts ,Slaughterhouse-Five´ las, kam es mir vor, als rutsche der Boden unter meinen Füßen weg“, erklärte Valerie Sayers, renommierte Literaturkritikerin der "New York Times". Für die Gegner des Vietnam-Kriegs war Vonneguts erfolgreichster Roman eine Art „Bibel“, aus der ganze Passagen wörtlich zitiert wurden. Mit flammenden Reden vor Studenten hatte er gegen die Nixon-Regierung Stimmung gemacht.

Schlachthof 5
, das in den frühen 90er Jahren noch wegen vermeintlicher Anstößigkeit aus vielen Schulbibliotheken der USA entfernt wurde, basiert auf den Kriegserfahrungen des Schriftstellers, der am 22. Dezember 1944 in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war und die Zerstörung Dresdens durch die alliierten Kampfflugzeuge aus nächster Nähe miterlebte.

Kurt Vonnegut, der am 11. November 1922 als Sohnes eines Architekten in Indianapolis geboren wurde, studierte Anthropologie und Biochemie, ehe er als Journalist mit dem Schreiben begann. In den frühen 50er Jahren debütierte er als Science-Fiction-Autor und schuf sich mit der Figur des Kilgore Trout, die später häufig in seinen Romanen wieder auftauchte, ein leicht skurriles Erzähler-Ego.

Die Mischung aus Humor und Melancholie, Fantastik und Realismus machten Vonneguts Erfolg vor allem bei der jungen Generation aus. Dabei war er stets stolz darauf, literarischer Autodidakt zu sein: „Ich halte es für sehr erfrischend, wenn ein Schriftsteller etwas anderes als Literaturgeschichte im Kopf hat.“ Zwischen Pop und knallhartem Realismus – zwischen Jack Kerouac und Joseph Heller – hat Vonnegut seine Erfolgsnische gefunden. Graham Greene sah in Vonnegut "einen der fähigsten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart".

Neben seiner konsequent pazifistischen Haltung zieht sich auch seine Affinität zum Zynismus wie ein roter Faden durch das Werk - vom Erstling Das höllische System (1951) über Hokus Pokus (1990) bis zu Zeitbeben (1997).

Der streitbare Moralist Vonnegut, der von seinen Gegnern als „Apokalypsen-August“ verschmäht wurde, setzte ganz gezielt auf die Schockwirkung seiner Romane und schreckte auch nicht vor öffentlichen Peinlichkeiten zurück: „Ich gehöre zu denen, die an der Bombardierung Dresdens gut verdient haben. Wenn man von 135 000 Toten ausgeht, müssen es wohl fünf bis zehn Dollar pro Kopf gewesen sein.“

Im letzten Jahr war im Schweizer Pendo Verlag der Essayband Mann ohne Land in deutscher Übersetzung erschienen. Die meisten von Vonneguts insgesamt 14 Romanen liegen als preiswerte Taschenbuchausgaben vor – so auch Schlachhof 5 bei Rowohlt.

Am Mittwoch ist der leidenschaftliche Pazifist und scharfzüngige Zyniker Kurt Vonnegut in New York im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Kopfverletzung gestorben, die er sich bei einem Sturz zugezogen hatte.

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