Christoph Bartmann schreibt in der süddeutschen zeitung zurecht, jungfrau mache »einen popkulturellen arbeitsraum« auf, in dem man sich mit sinnlichem vergnügen und intellektuellem gewinn tummeln könne. und es ist müsig, nach dieser treffenden charakterisierung weiter zu faseln. ausser: dass in dem ‚tummeln‘ eben auch das scheitern einer lektüre inbegriffen sein kann, vielmehr: es kein scheitern gibt. ich kann nichts falsch machen und trage vergnügen und gewinn aus der sache, auch wenn ich sie nach 58 seiten ab- oder unterbreche. weiterlesen kann man immernoch in und an Meinecke, der mit seinen büchern ja eine art dub-version der Rainald Goetz’schen werke etabliert: im stil unaufgeregter, nein: lässiger; berauscht, aber nicht aufgeputscht. inhaltlich jedoch genauso politisch.
es geht in jungfrau wiederum um geschlechts- und geschlechterdinge, um rituelle kräfte (global gesehen) und religiöse gefühle bei politikern und nonnen. Lothar kriegt heisse wangen beim erforschen einer angeblichen liebelei zwischen einer spiritistin und ihrem theologen, hat sich aber selbst sexuelle enthaltsamkeit geschworen – bis er auf Mary Lou trifft, eine charismatische transe. »vertrackte story, dachte Jeannine Waterstradt.«
wer jungfrau tatsächlich wie einen roman lesen will, wird sich schubweise mit umständlichen zwischen-, ein- und nebengliederungen auseinandersetzen müssen und womöglich finden, dass das buch nervt wie jemand, der sich nicht traut, zuende zu flirten, bis man ihm endlich die klamotten vom leib reisst. nur, dass das bedeutet, eloquentes geplauder über sex und gender einige momente lang ruhen zu lassen, um endlich ‚in echt‘ zur sache zu kommen. der rhythmus der sprache ist jedenfalls das gegenteil von dem, was Elfriede Jelinek auf dem buchrücken behauptet: er ziehe, schreibt sie, »einen richtig voran, und man muss dieser sprache nachrennen, ob man will oder nicht.«
ich bleibe, während die frau mit dem geléehals sich abhechelt, lieber beim erfolgreichen scheitern mit meinem mal hier mal dorthinein lesen: unvergesslich gleich die eröffnenden worte im »lakritzschneckchenmix« von MEINECKE MUSIK: »am 25. august 1900 ist Friedrich Nietzsche gestorben. das buch hat mir wahnsinnig gut gefallen. der rhythmus zieht einen wirklich rein, es gibt nur wenige autoren, bei denen das so ist. Ludwig I., könig von bayern. Lola Montez.« weiter geht’s hier.