In den Pariser Banlieus gehen Häuser, die von afrikanischen Immigranten bewohnt werden, in Flammen auf. Irgendwer will die Problemviertel ohne alle Rücksicht auf Kollateralschäden befrieden. Zudem stehen Wahlen bevor und die Kandidatur des derzeitigen Innenministers baut ganz auf desssen Strenge gegenüber den unbeliebten Immigranten. Also kehrt man, von der Yellow Press unterstützt, gleich mit dem ganz großen Besen. Und sorgt dafür, dass die Situation von Tag zu Tag explosiver wird.
Dominique Manotti heißt der Stern, der derzeit am Krimihimmel Europas am hellsten strahlt. Die Kritik ist sich einig: Mit der 1942 geborenen Französin, die erst mit 50 Jahren zum Schreiben kam und bis heute acht Romane veröffentlicht hat, ist eine neue Qualität in die Spannungsliteratur eingezogen. Denn die Pariser Wirtschaftshistorikerin und Ex-Gewerkschafterin versteht es wie niemand sonst, sperrige Themen durch raffinierte Plots, interessante Figuren und einen entlarvenden Einblick in gesellschaftlich-politische Hintergründe so spannend zu machen, dass sich ihr auch die Leser, welche in der Thrillerliteratur eher Entspannung suchen, nicht zu entziehen vermögen.
Nach Letzte Schicht und Roter Glamour, die die Welt der Wirtschaft und jene der Politik gnadenlos durchleuchteten, hat der Hamburger Argument Verlag, dem das Verdienst zukommt, Manotti für die hiesigen Leser entdeckt zu haben, nun in seiner Ariadne-Krimireihe Einschlägig bekannt vorgelegt. Der Roman thematisiert die Unruhen in den Pariser Vorstädten, die es 2005 auch in unsere Nachrichten schafften. Und er macht deutlich, dass die Gewalt, die sich hier eruptiv Bahn brach, von Menschen ausging, denen eine gleichberechtigte Partizipation an der Gesellschaft, in der zu leben sie sich oft nicht aussuchen konnten, verweigert wird.