What a baditude!
Natürlich ist der Krieg zweier Männer gegen ein gut vernetztes Kartell nicht zu gewinnen. Aber Chon und Ben strengen sich richtig an, Verwirrung in die Reihen ihrer Feinde zu tragen. Nachdem sie zum Schein auf das Angebot der Mexikaner, Ophelia gegen ein Lösegeld wieder auf freien Fuß zu lassen, eingegangen sind, beginnen sie, deren System von innen heraus zu zerstören. Fleißig wird Zwietracht gesät, hinterrücks doppelt und dreifach kassiert – und wenn alle Stränge reißen, dann hat die eiskalte Drogenlady Elena Lauter, die ihre Organisation mit harter Hand führt, ja noch eine in den USA studierende Tochter, die nicht allzu gut bewacht wird. Auge um Auge, Zahn um Zahn!
Winslows Roman macht nicht zuletzt deshalb so großen Spaß, weil er auf äußerst ironische Weise die Bedingungen und Gesetze des Genres mitreflektiert. Wenn dem Leser also manches bekannt vorkommen dürfte, dann deshalb, weil es bereits mit dem entsprechenden Seitenblick eingebaut wurde. Anspielungen auf klassische literarische und filmische Konstellationen, gelegentliche – und durchaus ernstzunehmende – Kommentare zum Zeitgeschehen (»Im Irak und in Afghanistan sterben Menschen, aber in die Schlagzeilen kommt Anna Nicole Smith.«), witzige Pointen, wo man eigentlich auf blutige Zusammenstöße gefasst ist – Zeit des Zorns ist wahrhaftig ein Buch, das immer wieder zu überraschen versteht. Auch wenn es gelegentlich ein wenig übertreibt – zum Beispiel in den expliziten Sexszenen, die die Handlung nicht wirklich voranbringen und auch nichts Neues mitzuteilen haben über das innige Verhältnis der drei Helden.
Am Ende jedenfalls verschmelzen Ben, Chon und O. zu so etwas wie einem einzigen Körper. Geradezu enniomorriconemäßig geht das über die Bühne. Zu kitschig? Ach was! Hier liegen schließlich drei, die mächtig aufgeräumt haben unter denen, die seit Jahrzehnten diesseits und jenseits der amerikanisch-mexikanischen Grenze den Drogenkrieg am Leben erhalten und aus Terror und tausendfachem Tod Gewinne schöpfen. Und die das Paradies verdient haben, in das ihr zorniger Erfinder sie schließlich entlässt.