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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:10

 

Will Rhode: Paperback Raita

27.05.2004

 
Eine Reise durchs Backpacker-Traumland Indien

Einen ganz schön dicken Schinken hat Will Rhode, Anfang dreißig und jahrelang als Journalist in Indien, Hongkong und New York tätig, als Debütroman vorgelegt. Und obwohl sich das Geschehen locker kürzer erzählen ließe, überzeugt sein höchst amüsanter Erzählton mit einer gehörigen Portion Ironie.

 

Es ist schon sehr erfreulich, wenn man ein Millionenvermögen erbt. Josh heißt der eigentümlich trottelige, zuweilen aber mutige Protagonist, dem dies widerfährt. Das Erbe hat er seinem Vater zu verdanken, der durch eine Überdosis Viagra sein bewusstes Ableben einleitet. Weniger erfreulich ist dagegen seine Bedingung, dass Josh binnen fünf Jahren einen Bestseller schreiben muss, andernfalls ginge er leer aus. Kann das den jungen Engländer aus seiner Abhängerexistenz herausreißen? Es kann, weil Josh macht sich für das Abenteuer der Recherche klar, denn: über was soll er schreiben, wenn er nichts erlebt? Und auf die fünf Millionen Pfund möchte er schließlich ungern verzichten.

Die Recherche

Wahrlich geschieht in der Folge der anfänglichen „Initialzündung“ eine Menge, und zusammen mit der lasziven Yasmin, in die er sich sofort verliebt, und dem Inder Sanjay schmiedet Josh einen Plan. Sie wollen den mysteriösen Drogenboss Baba, der alle kleinen und größeren Bollywoodsternchen in Neu-Delhi mit Nachschub versorgt, um sein Geld bringen. Juwelen sind dabei auch im Spiel, mit denen an der pakistanischen Grenze angeblich Drogengeld gewaschen wird. Josh ahnt noch nicht, was dadurch alles auf ihn zukommt.

Geschichte mit doppeltem Boden

Obwohl es an Spannung nicht fehlt und der Held in teils brenzlige Situationen gerät, ist das umfangreiche Debüt von Will Rhode als eine Art Thriller-Komödie inszeniert. Dafür sorgt schon allein die ironische, oft freche Erzählweise, die einen starken Kontrast zu dem eher ernsten Thema bildet. Joshs Existenz steht schließlich auf dem Spiel, doch wird dieses Problem mit einer spätpubertären Leichtigkeit umschifft, die teils groteske Züge trägt. Immer wieder geht es da um das große Geld. Wird er es bekommen? Wirkliche Sorgen macht man sich nicht, vielmehr hat der Autor unter die ganze Geschichte einen doppelten Boden der latenten Unernsthaftigkeit eingezogen. Der Roman kommt einer Reise gleich, auf der wir nie sicher sind, wo wir ankommen, aber dass wir ankommen und uns irgendwie durchwurschteln, das ist gewiss. So eignet sich das Buch auch hervorragend als Begleiter für jede Reise. Vielleicht sogar ins Backpacker-Traumland Indien?

Frank Kaufmann


Will Rhode: Paperback Raita. Aus dem Englischen von Axel Henrici. Droemer/Knaur 2004. Taschenbuch. 525 Seiten. 9,90 Euro. ISBN: 3-426-62297-1

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