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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:16

 

Patrick Neate: Stadt der kleinen Lichter

12.09.2005

 
Eindrucksvolle Bestätigung eines Ausnahme-Autors

Wie schon in dem letztjährig auf deutsch erschienen Twelve Bar Blues weiß Patrick Neate auch mit „Stadt der kleinen Lichter“ restlos zu überzeugen.

 

Einen einzigen Moment nur gab es, in dem sich Zweifel meldeten, ob der neue Neate mich ähnlich würde begeistern können wie sein Vorläufer Twelve Bar Blues: eine wahre Überfülle an wortwitzsprühenden Vergleichen schon auf der ersten Seite... das roch doch etwas nach „zu viel des Guten gewollt“.

Aber die aufkeimenden Zweifel verflüchtigten sich umgehend, und Tommy Akhtar, Privatdetektiv pakistanisch ugandischer Abstammung, nimmt einen mit auf die rasante Reise durch das heutige Multikulti-London mit russischen Huren, jamaikanischen Taxifahrern, islamischen Fundamentalisten, indischen Halbwüchsigen und nigerianischen Dealern.

Es gibt eine Reihe von Gründen, die diesen modernen Krimi absolut herausragen lassen, suchen Sie sich Ihren Motivationsschub für die Lektüre aus: Da ist – wie schon in Twelve Bar Blues - Neates bestechendes Gefühl für einen stimmigen mitreißenden Plot. Hinzu kommt diesmal ein rabenschwarzer Wortwitz, der geistreich und scharfsinnig fulminant ins Schwarze trifft: meist sind es kleine Nachsätze, die wie punktgenaue Nadelstiche einen Absatz beschließen.

Das Ganze ist durchsetzt mit einer – empirisch gegründeten - Lebensweisheit, die einen bisweilen einfach nur noch staunend zurücklässt. Die frappierende Übereinstimmung beschriebener Ereignisse mit tatsächlichen Geschehnissen in London in jüngster Zeit mag als Beleg für seine Weltklugheit deuten, wer dies möchte. Es wird auch hysterische Antiterrorkrieger geben, die Neate daraus einen Strick drehen möchten.

Weiteres dickes Plus: die Story ist nicht an den Haaren herbeigezogen, die Charaktere nicht der Klischeekiste entnommen. Man muss nicht in London zuhause sein, um konstatieren zu können, dass die Figuren samt ihrer derben Sprache extrem lebensecht, natürlich, zum Greifen nahe wirken; authentisch eben. Bei all ihren Verfehlungen, bei der Grobheit ihres Gebarens, bei allem Hang zur (Selbst)zerstörung – man hört ihr Herz schlagen und vor allem Neate’s Herz für sie dazu: für die kleinen Lichter im täglichen Kampf mit Ihren restlos desillusionierten Überlebensstrategien.

Der Daily Telegraph schrieb (wie uns der Einband verrät) „Wenn ich mir unter den heutigen britischen Schriftstellern einen aussuchen dürfte, der mir am Lagerfeuer Geschichten erzählt, dann käme nur Patrick Neate in Frage.“
Oh ja, sage ich da nur, gebt mir Bescheid, wenn es so weit ist. Ich bin dabei.

Anselm Brakhage


Patrick Neate: Stadt der kleinen Lichter
Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins 2005
Aus dem Englischen von Malte Krutzsch
Gebunden. 380 Seiten. 17,90 ¤.

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