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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:17

 

Yann Apperry: Das zufällige Leben des Homer Idlewilde

13.11.2005

Road Movie ohne Road
Homer Idlewilde ist ein in den Tag hinein streunender und beobachtender Waisenjunge, der in einem winzigen amerikanischen Dorf der 70er Jahre nach Orientierung und den perfekten Frauenbrüsten lechzt. Wie sein Leben überraschenderweise einen Sinn bekommt, beschreibt Yann Apperry in seinem zweiten Roman "Das zufällige Leben des Homer Idlewilde" leicht, humorvoll und extrem einfallsreich.

 

In dem kleinen Dorf Farrago – "far away, long ago" – leben eine Reihe skurriler Gestalten: der Blechbüchsenmacher und Strolch Elijah, der Gemischtwarenhändler, Lebensberater und Hobbyphilosoph Fausto und Homer Idlewilde, ein Waisenjunge, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und seine Schlafplätze häufiger wechselt als seine Kleidung. Als Kind zwischen Pflegefamilie und Waisenhaus hin- und hergereicht, in der Schule versagt und beruf- sowie vermeintlich berufungslos, ist Homer Idlewilde ständig auf der Flucht vor dem Sheriff und Stammkunde bei Ophelia, der Prostituierten mit den schönsten Brüsten des Dorfes. Gemeinsam mit seinem besten Freund Elijah und dem erwachsenen Fausto versucht Homer, das sinnlose Dasein und die häufig ungewollten Gesetzesübertretungen aufzugeben.Dies gelingt ihm, als er eines Tages eine Sternschnuppe sieht und sich ein "Schicksal" wünscht, ein Leben, dessen Geschichte er erzählen und sich schon im Vorhinein ausmalen kann. Schneller als von ihm erwartet geschehen eine Reihe merkwürdiger Begebenheiten, die aus Homer "zufällig" – wie der Titel des Romans schon verrät – einen Held wider Willen machen: Gemeinsam mit einem Freund entlarvt er eine Bande Umweltverschmutzer, Ophelia wird seine Frau und schwanger, er bekommt einen Job und zu guter Letzt ein Haus und damit sein stilles Glück.

Philosophische Kleinstentdeckungen

Yann Apperry reiste nach seinem ersten Romanerfolg "Diabolus in musica" zwei Jahre durch Amerika, Kalifornien und Hawaii und nahm verschiedene Gelegenheitsjobs an, um den Medienrummel zu entfliehen. Produkt dieser Reise scheint sein neuer Roman "Das zufällige Leben des Homer Idlewilde" zu sein: Obwohl er fast nur an einem Ort spielt, kommt er wie ein Road Movie daher – atemlos, unglaublich lebendig und gesäumt mit merkwürdigen, aber immer sympathischen und glaubwürdigen Charakteren.Man merkt Apperry seine Lust am Beschreiben komisch-kauziger Personen und Begebenheiten an: Immer wieder überrascht er mit neuen Handlungssträngen und legt seinen Charakteren naive, aber treffende philosophische Entdeckungen in den Mund: "Manchmal scheint das Schicksal uns ein Zeichen zu geben, aber meistens findet es ein diebisches Vergnügen daran, einen zum Narren zu halten und sich dann lachend davonzustehlen." Am Ende, als Homers Leben zufällig zu einem glückseligen Stillstand gekommen ist, wünscht man sich mehr: mehr von Homers naiven Sinnsprüchen, mehr tollkühne Abenteuer und vor allem mehr solch leicht beschwingte und trotzdem bodenständige Romane.

Katharina Bendixen


Yann Apperry: Das zufällige Leben des Homer Idlewilde.
Roman.Aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt von Nathalie Mälzer-Semlinger.
Aufbau Verlag 2005,
392 Seiten, 19,90 Euro.
ISBN 3-351-03050-9

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