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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:20

 

Steve Tesich: Ein letzter Sommer

15.01.2006

17 in den Sechzigern

Als der US-Amerikaner Steve Tesich vor gut zehn Jahren starb, hinterließ er der Welt des Films so manches schöne Drehbuch (etwa für »Breaking Away« und »Garp«) sowie zahlreiche Theaterstücke.

 

Die Literatur aber ging mit nur zwei Romanen so gut wie leer aus, was nicht tragisch ist, da beide einfach grandios sind. Sein um den Skriptflicker Saul Karoo errichtetes Trinkerepos »Abspann« spiegelt die gesellschaftlichen Stimmungen im New York der achtziger Jahre so gut wider wie sonst wohl nur Jay McInerney mit »Alles ist möglich«. Auch Tesichs Prosadebüt »Summer Crossing« aus dem Jahr 1982 ist ein schön-verstörendes Buch, dass man nun, mit 23 Jahren Verspätung, unter dem Titel »Ein letzter Sommer« endlich auch auf Deutsch lesen kann.
Erzählt wird die Geschichte des 17jährigen Daniel Price, der in den frühen sechziger Jahren im Osten Chicagos lebt. Er hat die High School gerade beendet und bereitet sich mit seinen beiden besten Freunden auf die nächsten Lebensschritte vor, was nicht leicht ist, wenn man gar keine Ahnung hat, was man will, dafür aber genau weiß, was man nicht will: »Wir alle drei, denke ich, hatten das Gefühl, die nächsten Jobs, die wir fanden, würden für den Rest unseres Lebens unser Beruf bleiben.« Ließe man sich darauf ein, führte man bald die gleiche Existenz wie die eigenen Eltern.
Also wartet Daniel erst mal ab, was ihm niemand übel nimmt, da sein Vater im Sterben liegt. Den Kontrast dazu bietet Rachel, die in die Nachbarschaft gezogen ist und schon bald Daniels erste Liebe sein wird. Tesich sieht ganz genau hin und findet die treffenden Worte für die Hölle der Pubertät mit all ihren Verschlingungen um Zukunft, Tod, Liebe, Sex, Angst, Verlust, träumerische Allmacht und reale Ohnmacht, Leichtigkeit im Handeln und Unbedingtheit im Denken und Fühlen. Irgendwann begreift Daniel, dass erwachsen zu sein bedeutet, alles als »eine Frage des Verhältnisses« zu verstehen, »Liebe, Freiheit, alles. Ich hatte mich immer noch nicht daran gewöhnt.« Genauso wenig, wie es Steve Tesich offenbar konnte.

Maik Söhler


Steve Tesich: Ein letzter Sommer. Kein & Aber, 496 S., 22,80 Euro. ISBN 3-0369-5137-7 Beitrag ersterschienen in Jungle World

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