Dave Nicholls: Ewig Zweiter
13.02.2006
Ein Loser unter Murphys Gesetz
Stephen C. McQueen, den nicht nur die Schreibweise seines Namens vom gleichnamigen Schauspielerkollegen trennt, sondern auch dessen Bekanntheit, ist ein Loser. Und dies auf allen Ebenen. Privat wie auch beruflich hängt er ziemlich durch. Seine ganze Hoffnung aus diesem Jammertal herauszukommen, konzentriert sich in dem Wunsch endlich den Durchbruch als Schauspieler zu erreichen.
Bisher weist die Karriere von David Nichols Protagonisten immerhin eine Reihe von Bahn brechenden Engagements auf. Gern wird er für Serienkrimis besetzt, weil er so gekonnt das Mordopfer gibt. Auch als “Sammy, das Eichhörnchen” war er unübertroffen - so dass man ihn sogar für das Westend-Stück “Verrückt, verworfen und gefährlich” auf die Bühne holte, wenn auch nur als Zweitbesetzung. Ungeduldig wartet er auf seine Chance. Den Moment, in dem er seiner kleinen Tochter, seiner Ex-Frau, kurzum der ganzen misstrauischen Welt zeigen kann, was in ihm steckt.
Könnte sich der Star des Ensembles, der unverschämt gut aussehende Josh Harper, nicht irgendetwas brechen oder gar ... , denn “Das Reißen der Achillessehne, das feuchte 'Plop' eines platzenden Blinddarms oder einer Milz war alles, was Stephen davon trennte, sein Leben zum Guten zu wenden.” Man fiebert mit dem Unglücklichen einer Wende seines Schicksals entgegen. Ständig von der Angst geplagt, es könnte etwas Schlimmes auf diesem Weg passieren. Und man wird nicht enttäuscht, etwas noch Schlimmeres passiert. Demütigungen aller Art drängen sich auf. Der Antiheld Stephen steht unter dem Schutz von Murphys Gesetz. Man mag sich nicht ausmalen, was er in einem früheren Leben verbrochen haben mag, um so bestraft zu werden.
Gloriose Serie von Pleiten, Pech und Pannen
Nach einer bitteren Serie von gloriosen Pleiten, Pannen und Pechsträhnen, erfährt er doch noch das, was wie der große Durchbruch scheint und erlebt zumindest die jedem zustehenden fünfzehn Minuten des Ruhms. Es ist jedoch ein Pyrrhussieg. Durchhaltekraft und Tapferkeit eines begnadeten Tier- und Leichendarstellers sind eben nicht die am höchsten bewerteten Attribute des Showgeschäftes.
Die lakonischen Schilderungen des Versagens einer Möchtegern-Berühmtheit in der aufgeblasenen Welt des falschen Scheins sind witzig und pointiert. Man merkt David Nicholls den Insider an, als Autor verschiedener TV-Serien ist er im Gegensatz zu seinem Romanheld jedoch mit mehr Erfolg im Showbiz gekrönt. Sein erster Roman wurde von Tom Hanks Firma Playtone verfilmt und auch für dieses Buch wurden bereits die Rechte erworben.
Obwohl es manchmal schwer fällt, dem geschundenen Protagonisten verbunden zubleiben, kann man ihn nicht seinem Schicksal überlassen. Und ist man mit ihm durch dick und dünn gegangen, erfährt man, dass auch Ewigkeiten relativ sind und ein Wechsel der Perspektive oft ungeheuer erleichternd.
Maggie Thieme
Dave Nicholls: Ewig Zweiter, aus dem Englischen von Simone Jacob. Kein und Aber, 383 S., 19,90 Euro. ISBN: 3-0369-5153-9