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Olaf Schmidt: Friesenblut

13.02.2006


Eine Reise, eine Suche und ein Maler

Mit seinem Debut "Friesenblut" legt Olaf Schmidt einen kunsthistorischen Kriminalroman mit verschrobenen Insel Charakteren vor, der eine ganz spezielle Spannung erzeugt.

 

Nach jahrelanger Abwesenheit kehrt der Kunsthistoriker Anselm zurück auf seine Heimatinsel Föhr: Hier ist er aufgewachsen und hier ist plötzlich auch ein Teil eines verschollenen Gemäldes des Föhrer Malers Oluf Braren aus dem 19. Jahrhundert aufgetaucht, über den Anselm gerade seine Dissertation schreibt.

Eigentlich hatte Anselm sich von Föhr losgesagt und wollte nach dem frühen Tod seiner Eltern und der Beerdigung seiner Großeltern, der letzten Föhrer Verwandten Anselms, mit der Insel nichts mehr zu tun haben. Trotzdem lässt ihn seine Heimat nicht los: Schon der von seinem Professor belächelte Entschluss, sich mit dem als populär und volkstümlich abgestempelten Oluf Braren zu beschäftigen, deutet darauf hin, dass Anselm mit seiner Kindheit und Jugend nicht vollständig abgeschlossen hat. Eigentlich wollte Anselm auf Föhr nur das Gemälde Brarens untersuchen, doch die Rückkehr auf die Insel konfrontiert Anselm nicht nur mit den alten Schulfreunden, die scheinbar in der Vergangenheit stecken geblieben sind und immer noch von alten Liebschaften, Eifersüchten und Schlägereien sprechen, sondern auch mit seiner eigenen Familie auf eine Art und Weise, die Anselm zu Beginn des Besuchs niemals erwartet hätte.

Familiärer Mikrokosmos

Olaf Schmidt beschreibt in seinem Debütroman "Friesenblut" einerseits einen Mikrokosmos an Familienfreundschaften und –feindschaften, eine verbitterte und verschworene Dorfgemeinschaft, die die Außenseiter des Dorfs ebenso emotionslos verhöhnt, wie sie sich bei Besuchen von Fremden zurückzieht und jegliche Fragen mit einem Achselzucken quittiert. Diese persönlichen Eigenheiten der Inselbewohner ergänzt Schmidt um zahlreiche historische Informationen: Einerseits spielen einige Kapitel im 18. und 19. Jahrhundert, der Zeit, in der Oluf Braren auf der Insel lebte. Hier entwirft Schmidt eine eigene Version des wenig erforschten Malers, in dem er Tatsachen mit fiktiven Elementen mischt. Weitere Teile des Romans verlegt Schmidt in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Föhringer in einem Volksentscheid über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder Dänemark abstimmten.

Schmidt ist selbst auf der Insel Föhr geboren und aufgewachsen. Dieser autobiografische Bezug hat sicherlich dazu beigetragen, dass mit "Friesenblut" eine psychologisch dichte und atmosphärische Geschichte entstanden ist, eine Mischung aus Kriminalroman, kunsthistorischem Roman und Gesellschaftsbeschreibung, die durch ihr spezielles Thema, das profunde Hintergrundwissen des Autors und die wirkungsvolle Sprache eine einzigartige Spannung erzeugt.

Katharina Bendixen


Olaf Schmidt: Friesenblut.
Eichborn Verlag,
 272 S., 19,90 Euro.
 ISBN 3-8218-0770-9

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